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Tui, Lufthansa und Co. – Tourismus in Coronazeiten


24.06.20 16:31
Feingold-Research

Das Jahr 2019 war für die weltweite, erfolgsverwöhnte Tourismusbranche ein weiteres Boomjahr mit neuen Rekordzahlen. Als die Coronakrise im Januar in China ihren Anfang nahm und die chinesischen Urlauber zuhause blieben, hätte niemand gedacht, dass nur drei Monate später die weltweite Tourismusbranche um 95 Prozent einbrechen würde. Wie dramatisch diese Entwicklung ist lässt sich gut am Flughafen Frankfurt beobachten. Wir stellen die Analyse von Christian Fischl, Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung für die Börse München vor… Wo normalerweise 200.000 Passagiere pro Tag abgewickelt werden, sind es dieser Tage gerademal 10.000. Kein Wunder, dass Zurab Pololikashvili, Chef der Welttourismusorganisation UNWTO, für die globale Reisebranche ein düsteres Bild zeichnet. Er geht davon aus, dass die Zahl der internationalen Touristen dieses Jahr um 58 bis 78 Prozent schrumpfen wird – mit entsprechenden Auswirkungen auf die rund 110 Millionen Beschäftigten in der Reiseindustrie.
Nicht systemrelevant, aber wichtig



Die Tourismusbranche ist zwar nicht systemrelevant, wird aber immer wichtiger. In den vergangenen 20 Jahren hat sich ihre Wirtschaftskraft mehr als verdoppelt, inzwischen trägt sie 10,8 Prozent zum Weltbruttosozialprodukt bei. Für viele Länder tragen die Urlauber und ihre Ausgaben einen wichtigen Teil zum Bruttoinlandprodukts (BIP) bei. Länder wie Griechenland mit 20,6 Prozent, Österreich (15,4) oder Spanien (14,6) hängen besonders stark vom Tourismus ab. In den USA steuert die Reiseindustrie dagegen nur 2,6 Prozent zur Wirtschaftskraft bei.

Mit über 50 Prozent am weltweiten Tourismuskuchen hat Europa immer noch den größten Anteil, gefolgt von Asien mit mehr als 20 Prozent. Allerdings hat sich in den vergangenen 30 Jahren viel verändert, regional wie strukturell. So ist der Anteil Asiens an der globalen Travel-Industrie zulasten Europas und Amerikas gestiegen. Und waren es um 1990 hauptsächlich Vermögende, die mit dem Flugzeug in den Urlaub gejettet sind, kommt die Mehrheit der Fluggäste heute aus der Mittelschicht.




Probleme des Massentourismus



Mit dem Boom der vergangenen Jahre und dem damit einhergehenden Massentourismus haben jedoch auch die Probleme stark zugenommen. Beliebte Reiseziele waren massiv überlaufen, was Anwohner wie Urlauber gleichermaßen nervte. Viele Sehenswürdigkeiten konnten nur noch besichtigt werden, wenn man die Tickets Wochen vorher gebucht hatte. Seit 2015 werden diese Auswüchse mit dem Begriff „Overtourism“ beschrieben. Doch seit Corona ist es damit vorbei – nicht nur wegen der Reisebeschränkungen. Dicht an dicht vor der Mona Lisa im Pariser Louvre-Museum zu stehen, sich Schulter an Schulter durch die Gassen von Dubrovnik zu schieben oder mit tausenden anderen auf einem Kreuzfahrtschiff durchs Mittelmeer zu cruisen ist plötzlich zum Gesundheitsrisiko geworden. Daher ist der „Reset“, den die Coronakrise der Touristikbranche aufzwingt, auch eine Gelegenheit, die wachsenden Missstände in der Industrie zu korrigieren
Tourismus der Zukunft



Wie wird der Tourismus der Zukunft aussehen? Bei der Reiseplanung dürften neue Kriterien wichtiger werden. Urlauber werden sich die Frage stellen: Wie gut ist die Gesundheitsvorsorge vor Ort? Und wie stark kann man die Abstandsregeln einhalten? Die aktuell wieder aufkeimenden Buchungsaktivitäten zeigen, dass viele Urlauber in Richtung Individualtourismus umschwenken und lieber ein mit dem Auto oder Zug erreichbares Feriendomizil buchen als eine pauschale Flugreise in einen Touristen-Hotspot. Und wer doch in einem Hotel entspannen möchte, wird sich umstellen müssen. So ist an lockere Frühstücksbuffets oder ein fröhlich-ungezwungenes Planschen im Pool vorerst nicht zu denken: Hygiene- und Abstandregeln dominieren auch hier.
Digitalisierung gegen Überfüllung



Viele beliebte Touristenziele entwickeln inzwischen digitale Lösungen, um die Besucherströme steuern zu können und eine Überfüllung zu verhindern. Das bedeutet aber auch, dass Spontanreisen nicht mehr so einfach sein werden. Dieses und nächstes Jahr wird sich der Tourismus eher lokal oder auf „sichere“ Länder konzentrieren. Es wird ein paar Jahre dauern, bis wieder ein interkontinentales Reiseaufkommen wie in 2019 zu verzeichnen ist. Zumal Geschäftsleute gelernt haben, dass Meetings auch als Videokonferenz funktionieren und man nicht für jedes Treffen in den Flieger steigen muss.

Problemfaktor Luftfahrt



Eine große Herausforderung muss daher die Luftfahrtbranche stemmen, deren Geschäft fast komplett zum Erliegen gekommen war. Zwar zieht die Nachfrage langsam wieder an, doch planbar ist sie nicht. Aktuell passen die Airlines ihre Flugpläne tagesaktuell je nach Bedarf und Coronalage an. Wenn dann geflogen wird, müssen die Flugzeuge aufwändig gereinigt und desinfiziert werden. Um profitabel arbeiten zu können, benötigen die Fluglinien eine Auslastung von 65 Prozent. Deshalb wehren sie sich vehement gegen eine Verringerung der Passagierauslastung pro Flug. Lufthansa und Co. argumentieren, dass die Ansteckungsgefahr in einem Flugzeug extrem gering sei, da über den Reisenden permanent Frischluft aus der Kabinendecke fällt und am Boden abgesaugt wird. Somit bestehe keine horizontale Verteilung der Kabinenluft. Tatsächlich wird die Kabinenluft alle drei Minuten ausgetauscht und mit Hepa-Filtern gereinigt, welche 99,97 Prozent der Viren und Bakterien zurückhalten sollen.
Dennoch werden sich Flugreisende wohl über längere Zeit an Abstandsregeln, Temperaturmessungen, Blutschnelltests, Maskenpflicht und einem kontaktlosen Ein- und Auschecken gewöhnen müssen. Dies wiederum ist ein großes Problem für die Flughäfen. Nach Einschätzung des Flughafenverbandes ADV sind bei strikter Befolgung der Sicherheitsregeln die Kapazitäten der meisten deutschen Flughäfen bereits erschöpft, wenn sie nur zu 20 bis 50 Prozent ausgelastet sind. Daher stellt sich die Frage, wie das bisherige Geschäftsmodell der Flughäfen mit all den Shops und Restaurants künftig funktionieren soll.

Kreuzfahrtschiffe werden zu Hotels



Während Fluglinien oder auch Hotels zumindest noch Geschäftsreisende und Privatleute, die ihre Familien besuchen, als Kunden haben, trifft dies für die Kreuzfahrtbranche und Anbieter von Busreisen nicht zu. Sie trifft der Einbruch in der Tourismusindustrie besonders hart, da sie quasi zu 100 Prozent am Tourismus hängen. Um die Verluste zumindest ein wenig einzugrenzen haben die ersten Kreuzfahrtgesellschaften reagiert und bieten ihre Schiffe jetzt teilweise als schwimmende Hotels an. Erst wenn es Impfstoffe gibt und die Mehrheit der Menschen gegen das Virus geimpft ist, wird Reisen wie in Vor-Coronazeiten wieder möglich sein. Bis dahin wird die große Herausforderung der Tourismusindustrie darin bestehen, den Gästen die Lust an den Ferien nicht zu verderben – trotz all der Sicherheitsvorkehrungen. Doch auch danach dürften sich einige Verhaltensmuster, die im Zuge der Coronakrise entstanden sind, nicht so schnell ändern. Dies könnte auch einige positive Folgen haben: Urlauber orientieren sich eher regional und reisen mehr mit der Bahn (was dem Klima zugute käme) – und das Thema „Overtourism“ wird es zumindest in seiner drastischen Ausprägung nicht mehr geben.
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