Suchen
Login
Anzeige:
Di, 11. August 2020, 12:58 Uhr

DAX

WKN: 846900 / ISIN: DE0008469008

Corona – Was interessiert mich die Pandemie von gestern


09.07.20 11:44
Feingold-Research

Das Jahr 2020 startete an den globalen Kapitalmärkten zunächst freundlich, bevor der globale Ausbruch der Corona-Pandemie ab Ende Februar zu einem historischen Crash führte. Die Weltwirtschaft stand quasi still, große Unternehmen konnten teils nur durch Staatshilfen vor der Insolvenz gerettet werden. Nur wenige Monate später scheint jedoch zumindest an den Kapitalmärkten das Thema als weitgehend abgehakt. Wir stellen die Einschätzung von Thomas Metzger für die Südseiten der Börse München vor…

Freier Fall nach Allzeithoch



Noch Mitte Februar markierte der DAX parallel zu den amerikanischen Leitindizes ein neues Allzeithoch, der Euro Stoxx 50 stieg auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008. Nur einen Monat später ist die Herausforderung der Pandemie für die Weltwirtschaft offensichtlich und die globalen Finanzmärkte notieren nach einem freien Fall etwa 40 Prozent unter ihren Höchstständen aus dem Vormonat. Wir sahen uns weltweit unzähligen Toten, sozialer Isolation, Fabrikschließungen, einem vollständigen Stillstand in der Tourismusbranche und – vor allem – extremer Unsicherheit hinsichtlich der vollkommen neuen Situation gegenüber.
Mittlerweile hat die Ausbreitung des Virus in Europa einen stark abnehmenden Trend. Die Zahl „offener“ Fälle ist seit einigen Wochen konstant. Die Regierungen haben die im März verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie weitestgehend gelockert. Ausgangssperren wurden selbst in den am stärksten betroffenen Ländern aufgehoben und die Bevölkerung kehrt langsam zurück zur Normalität. Weltweit sieht es indes noch etwas anders aus. Zwar verbreitet sich die Krankheit insgesamt scheinbar nicht mehr so unkontrolliert wie noch vor einigen Monaten, die Fallzahl steigt jedoch weiterhin kontinuierlich. Die am stärksten betroffenen Länder sind derzeit die USA, Indien und Brasilien. Und die Börsen? Notierten Anfang Juni schon wieder nahe ihrer Jahresschlusskurse von 2019 oder stiegen sogar schon, wie der Extremfall der amerikanischen Börse Nasdaq zeigt, bereits auf neue Höchststände. Weltweite Pandemie? Ist im Griff! Rezession? Schnee von gestern! Auch wenn seit Mitte Juni eine kleinere Konsolidierung einsetzte, grundsätzlich scheinen die große Panik und Unsicherheit hinsichtlich dieser unbekannten Herausforderung der Vergangenheit anzugehören.

Don’t fight the Fed“  – Notenbanken und Regierungen als Kursstützen



Bei der Suche nach der Ursache für die Kurserholung in den letzten Monaten stößt man schnell auf zwei Argumente. Zunächst wird auf die Konjunkturpakete der Regierungen und Notenbanken verwiesen, welche die Wirtschaft stützen sollen und die Märkte mit neuem Geld in quasi unbegrenztem Ausmaß fluten. Diese Maßnahmen sind sicherlich der Hauptgrund für die Kursrallye seit den Tiefständen Mitte März, da sie – trotz der bestehenden Risiken – die relative Attraktivität von Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen nochmals erhöht haben. Zudem dürften die Maßnahmen langfristiger gelten (und wirken) als die Einschränkungen der Wirtschaft durch Corona anhalten. Das zweite Argument ist der Hinweis darauf, dass an den Aktienmärkten ja die Zukunft gehandelt wird. Hier können wir indes nur bedingt zustimmen. Sicherlich dürfte die Situation rund um Corona sukzessive weiter unter Kontrolle und spätestens nach Entwicklung eines Medikaments und/oder einem Impfstoff endgültig abgehakt sein. Allerdings ist die Frage, wann dies der Fall ist, unseres Erachtens nicht so einfach zu beantworten, wie dies durch die aktuellen Kursniveaus suggeriert wird. Es ist zwar möglich, aber keinesfalls „ausgemachte Sache“, dass die Weltwirtschaft im nächsten Jahr wieder in etwa auf dem Niveau von 2019 ist. Zu unklar sind bislang der weitere Krankheitsverlauf (Stichwort „zweite Welle“) sowie die Spätfolgen für die Wirtschaft.

Nachhaltige Veränderung durch Corona



Sicherlich stellt die Corona-Pandemie für die globale Weltwirtschaft die größte Herausforderung seit der Finanzkrise 2008 dar. Die Folgen werden für einige Branchen langfristig sein, wird sich doch das Bewusstsein von Unternehmen und Konsumenten in bestimmten Aspekten nachhaltig verändern. So dürften beispielsweise Trends, wie Cloud Computing (Stichwort „Homeoffice“), Online-Handel und bargeldlose Bezahlung in wenigen Wochen einen Schub bekommen haben, welcher unter normalen Umständen einer Entwicklung von Jahren entspricht. Auch das Gesundheitswesen könnte letztendlich profitieren, sollte die Nachfrage nach einer guten Vorsorge und Versorgung durch den Corona-Impuls steigen. Letztlich hat das Virus also die Welt in mancher Hinsicht verändert.

Chancen sind bei Aktien durchaus noch vorhanden



Langfristig sehen wir weiterhin Aktien, vor allem aufgrund der umfangreichen Maßnahmen von Regierungen und Notenbanken und vielleicht sogar mehr denn je, als attraktivste Anlageklasse. Zwei Aspekte möchten wir dabei jedoch unterstreichen. Erstens stufen wir die Erholungswelle der letzten Wochen vor dem Hintergrund der weiterhin herrschenden Unsicherheit kurzfristig als übertrieben an. Es dürfte sicherlich bis (mindestens) 2022 dauern, ehe die Unternehmen in der Breite wieder Gewinne auf dem Niveau von 2019 erzielen. Die aktuelle Bewertung preist unseres Erachtens jedoch eine sehr schnelle Konjunkturerholung auf das „Vor-Corona-Niveau“ ein. Wenn natürlich „morgen“ schon ein Impfstoff und/oder ein Medikament gegen das Virus gefunden wird, ist zumindest die psychologische Belastung für Wirtschaft und Kapitalmärkte wahrscheinlich schnell gebannt. Jedoch ist der Stand der Forschung sehr unsicher, selbst wenn eine Vielzahl an Akteuren mit Hochdruck nach einem Gegenmittel sucht. Und auch wenn hier schnelle Ergebnisse präsentiert werden sollten, dürfte es bis zur Zulassung und Massennutzung noch etwas dauern. Davon abgesehen ist es unwahrscheinlich, dass die Weltwirtschaft solch einen mehrmonatigen Einbruch ganz ohne Spätfolgen übersteht. Kurzfristig sehen wir das weitere Kurspotenzial in der Breite also als begrenzt an. Dabei ist die Pandemie zwar das aktuell dominante, jedoch bei weitem nicht das einzig zu beachtende Thema. Neben dem Handelsstreit zwischen den USA und China und den seit Jahren bestehenden strukturellen Problemen in einigen Euro-Ländern (welche durch Corona und die damit einhergehende zusätzliche Verschuldung noch verstärkt werden) ist dabei unter anderem auch die im zweiten Halbjahr anstehende US-Präsidentschaftswahl zu nennen. Die Unsicherheit ist nicht zuletzt wegen des Corona-Krisenmanagements der aktuellen Regierung und der landesweiten Proteste und Debatten rund um die Rassismusproblematik im Land höher denn je.
powered by stock-world.de


10.08.20 , Feingold-Research
DAX – Vorsicht ist angesagt
Nachdem viele Auguren vor dem Beginn der vergangenen Handelswoche bestenfalls eine Seitwärtstendenz an den ...
10.08.20 , Feingold-Research
Starker Euro kommt für Wirtschaft zur Unzeit
Die Notenbank EZB nimmt durch Anleihenkäufe weitere Positionen auf ihre Bilanz und die Wirtschaft ...
10.08.20 , Feingold-Research
Gold 2.000 – jetzt kaufen?
Erstmals in der Geschichte hat Gold die 2000-Dollar-Marke gerissen. Für vielen Experten erst der Beginn ...
08.08.20 , Feingold-Research
Nikola - so lief die Woche der Wahrheit
In dieser Woche ging es für Nikola erstmals ans eingemachte. Die Quartalszahlen standen an und man fragte sich im ...
07.08.20 , Feingold-Research
DAX - Wirtschaft am Scheideweg
Die Weltwirtschaft steht am Scheideweg, die Volatilitätsindizes untermauern die unsichere Situation. Jetzt ist es ...

 
DAX legt am Mittag kräftig zu - ZEW-Index bess [...]
FRANKFURT/MAIN (dts Nachrichtenagentur) - Die Börse in Frankfurt hat am Dienstagmittag kräftige Kursgewinne ...
12:05 , dpa-AFX
Aktien Frankfurt: Dax zurück zu alter Stärke und [...]
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat am Dienstag wieder den Sprung über die runde Marke von 13 000 Punkten geschafft. ...
11:37 , dpa-AFX
INDEX-FLASH: Zurück zu alter Stärke - Dax wiede [...]
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat am Dienstagvormittag wieder den Sprung über die runde Marke von 13 000 Punkten ...