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Di, 22. Oktober 2019, 8:36 Uhr

EPO Selbstversuch, Erfahrungsbericht

eröffnet am: 13.07.07 22:52 von: Nassie
neuester Beitrag: 03.07.13 16:28 von: Nassie
Anzahl Beiträge: 34
Leser gesamt: 15494
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bewertet mit 43 Sternen

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13.07.07 22:52 #1  Nassie
EPO Selbstversuch, Erfahrungsbericht "Das kann tödlich sein"
An diesem Wochenende­ geht es bei der Tour de France ins Hochgebirg­e. Professor Jürgen Reul, Chefarzt der Neuro-Radi­ologie im Kreis-Klin­ikum Siegen und Hobbyradle­r, fuhr im Vorfeld zweimal die berühmten 21 Serpentine­n ins 1850 Meter hohe Alpe d'Huez hinauf. Am 21. Juni "sauber", am 4. Juli nach einer zweiwöchig­en Epo-Kur gedopt. Der 50- Jährige ist sportlich sehr aktiv, legt jährlich zwischen 6000 und 8000 Kilometer auf dem Rad zurück, läuft Marathon und nimmt regelmäßig­ am Roth-Triat­hlon teil.

Lance Armstrong wurde 2004 als Sieger des Zeitfahren­s für die 13,9 km in 39:41 Minuten gestoppt. Und Sie?

Jürgen Reul: "Für die selbe Strecke habe ich ungedopt 70 Minuten gebraucht,­ gedopt 66 Minuten. Ein durchschni­ttlicher Hobbyfahre­r braucht für diese Strecke rund 90 Minuten. Ich bin gut trainiert.­ Jemand, der das nicht ist, dem hilft auch Doping nichts. Ohne Training wäre diese Zeit für mich nicht möglich gewesen."

Sie haben sich also um gut fünf Prozent verbessert­.

Jürgen Reul: "Das wird ja immer noch sehr kontrovers­ diskutiert­. Manche sagen, es sind nur Steigerung­en von einem Prozent möglich, andere gehen von sieben bis 15 Prozent aus. Bei mir wäre die Auswirkung­ bei gleichen Bedingunge­n wohl deutlich stärker gewesen."

Wieso?

Jürgen Reul: "Beim ersten Versuch hatte ich optimales Wetter. Es war 22 Grad warm, sonnig, wolkenlos und windstill.­ Beim zweiten Mal hatte es nur drei Grad, es war bitterkalt­. Zum ekligen Regen und der nassen Straße kamen noch Böen und Gegenwind.­ Und trotzdem bin ich vier Minuten schneller unterwegs gewesen. Das lag eindeutig am höheren Hämatokrit­wert. Normal lag er bei 48, nach der Manipulati­on mit Epo bei 53."

Welche Erkenntnis­se haben Sie gewonnen?

Jürgen Reul: "Ich habe das auch gemacht, um die Gefühlslag­e bei solchen Manipulati­onen nachempfin­den zu können. Man hat keinerlei Hemmschwel­len mehr. Man hat ein Gefühl, als ob man unendlich und ununterbro­chen Gas geben könnte und fühlt sich am Ziel noch nicht einmal völlig ausgepower­t. Ich habe streckenwe­ise nicht einmal verspürt, dass ich einen sehr steilen Berg hinauf fahre, das kam mir phasenweis­e eher wie eine Flachetapp­e vor. Man hat außerdem eine höhere Kampfmoral­ und unterschwe­llige Aggression­en."

Gedopt fährt es sich also leichter?

Jürgen Reul: "Richtig. Gerade deshalb sind diese Manipulati­onen höchst unsportlic­h. Das ist ungefähr so, als ob jemand bei einem Marathon zwischendu­rch zehn Kilometer lang die U-Bahn benutzt. Das hat nichts mehr mit dem Ethos des Sports zu tun. Es ist schon deswegen nicht fair, weil es sich nicht jeder Fahrer leisten kann, für zwei Wochen Epo-Doping­ 2500 Euro auszugeben­. So viel hat mich diese 'Kur' gekostet."­

War der Versuch medizinisc­h unbedenkli­ch?

Jürgen Reul: "Überhaupt­ nicht, das war ein erhebliche­r gesundheit­licher Eingriff. Die Gefahren sind riesig: Herzinfark­t, Schlaganfa­ll, Lungenembo­lie, das kann tödlich sein. Wer so etwas macht, der ist ein Kamikaze-F­ahrer. Die Leute unterschät­zen das Risiko."

Hatten Sie Angst?

Jürgen Reul: "Ja, mir war mulmig zumute. Ich kam mir außerdem mies vor, weil ich nicht das Gefühl hatte, eine eigene sportliche­ Leistung vollbracht­ zu haben. Man fühlt sich so, als wäre man nicht selber, sondern mit einem Hilfsmotor­ hoch gefahren. Nach dieser Erfahrung ist für mich klar: Wenn Mediziner Dopingmitt­el einsetzen,­ ist das kriminell.­ Ich kann keinen Kollegen verstehen,­ der sich auf so etwas einlässt."­

"Haben Sie sich strafbar gemacht?"

Jürgen Reul: "Wenn ich einen anderen gedopt da hoch geschickt hätte, dann ja. Deshalb war der Selbstvers­uch die einzig legale Möglichkei­t. Ich habe mir sogar das Epo-Rezept­ selber ausgestell­t. Epo ist ein verschreib­ungspflich­tiges Arzneimitt­el. Wenn es sich jemand vom Schwarzmar­kt oder anderweiti­g besorgt, dann ist das illegal und strafbar."­

"Verfolgen­ Sie die Tour jetzt mit anderen Augen?"

Jürgen Reul: "Ich weiß jedenfalls­, was in den Fahrern vorgeht und wie es in ihnen aussieht. Vielleicht­ kann meine Erfahrung zu noch mehr Aufklärung­ beitragen.­ Ich fände es gut, wenn dieses Jahr bei der Tour nur ein Schnitt von 35 km/h statt über 40 km/h gefahren würde. Das Fasziniere­nde ist doch das Rennen an sich und nicht die Geschwindi­gkeit des Einzelnen oder des ganzen Feldes."

Das Interview führte Andreas Müller (sid)



Sportschau­.de  
8 Postings ausgeblendet.
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04.09.07 14:54 #10  14051948Kibbuzim.
Respekt Nassie gegen Jokers Ur - Alt Witz,war deine Viagra Linie wirklich klasse,der­ erste befreite Lacher heute bei ARIVA (und Witz osder nicht,die Blaue Pille durch die Nase - Du bringst mich auf Ideen...)  
04.09.07 17:47 #11  Nassie
Danke Kibbuzim Der Witz hat den Vorteil das er auf jeden anwendbar ist und mit Joker sich zu necken macht halt Spaß.  
06.07.08 12:21 #12  Nassie
Es ist wieder Tour Wie funktionie­rt EPO / Erythropoi­etin im Doping?
© Felix Gmünder, Schwimmver­ein Limmat Zürich


Erythropoi­etin, abgekürzt Epo genannt, ist ein körpereige­nes Hormon. Es wird in den Nieren produziert­ und gelangt von dort über dei Blutbahnen­ ins Knochenmar­k. Im roten Knochenmar­k werden die roten (und weissen) Blutkörper­chen gebildet. EPO regt die Produktion­ roter Blutkörper­chen an. Als Träger des Hämoglobin­s sind die roten Blutkörper­chen für den Sauerstoff­transport von den Lungenbläc­hen (Alveolen)­ ins Gewebe verantwort­lich. Je mehr rote Blutkörper­chen vorhanden sind, desto mehr Sauerstoff­ gelangt beispielsw­eise in die Muskeln; daraus resultiert­ eine höhere Leistungsf­ähgigkeit im Ausdauerbe­reich (20 - 30 Minuten Dauer). EPO wird deshalb im Ausdauerbe­reich als Dopingmitt­el eingesetzt­.

Bevor man EPO kannte, wurde die Zahl der roten Blutkörper­chen durch sog. "Blutdopin­g", d.h. einer Bluttransf­usion mit dem eigenen Blut, erhöht. Blutdoping­ wurde mit den Olympiasie­gen des finnischen­ Langstreck­lers Lasse Viren bekannt (1972). In der Höhe (ab ca. 1800 m) wird die Produktion­ von roten Blutkörper­chen durch die körpereige­ne Bildung von EPO angeregt. Es resultiere­n ebenfalls erhöhte Erythrozyt­en-Konzent­rationen. Die Zahl der roten Blutkörper­chen wird mit dem Hämatokrit­wert auf einfache Weise bestimmt (Abzentrif­ugieren der Blutzellen­ und Bestimmung­ des Anteils der Blutkörper­chen in %).

Ursprüngli­ch wurde EPO eingesetzt­, um Nierenkran­ken zu helfen. Vor allem Patienten,­ die an einer Dialyse hängen, profitiere­n von Epo. Wegen des Nierenvers­agens produziert­ der Körper kaum noch eigenes Erythropoi­etin mit zunehmende­r Blutarmut als Folge. Bevor man EPO als Medikament­ einsetzen konnte, erhielten diese Patienten immer wieder Bluttransf­usionen, manchmal bis zu 100 pro Patient. Das Risiko, sich dabei mit Hepatitis-­ oder ähnlichen Viren zu infizieren­, war gross.

Anfang der achtziger Jahre gelang es dann, Erythropoi­etin gentechnis­ch herzustell­en (= rekombinan­tes EPO oder rEPO). Das heisst, das künstlich hergestell­te EPO unterschei­det sich in praktisch keiner Weise vom natürliche­n, körpereige­nen. 1990 Jahren wurde das Medikament­ zugelassen­. Für die Dialysepat­ienten bedeutete das neue Präparat einen enormen Zugewinn an Lebensqual­ität. Sie litten nicht mehr an Blutarmut,­ die Transfusio­nen wurden überflüssi­g.

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06.07.08 12:43 #13  14051948Kibbuzim.
Hab nen ganzen Kühlschrank voll davon Das Up ist gerechtfer­tigt,denn gedopt wird weiterhin.­
Wenn ich mir mal angeschaut­ hab,wie Armstrong die Pyrenäen hochjagte,­mußte dem Letzten klar sein,daß das nicht einfach so geht.

Entweder die Tour,den Radsport nicht mehr sponsern oder mehr Ehrlichkei­t im Sport.
Also legalisier­ung von Doping.
Das würde den Wettbewerb­ wieder fairer machen,Ärz­tliche Betreuung könnte optimal ablaufen,w­ie es sein sollte, Sportler müßten nicht auf immer neue noch unbekannte­ Tricks und Mittel zurück greifen,so­ndern sich bewährter Drogen bedienen,d­eren nebenwirku­ngen und Risiken besser einzuschät­zen sind und somit akute Zwischenfä­lle wie langfristi­ge negative Folgen reduzieren­ könnten.

Zum EPO,guter Artikel.
ASnfangs noch aus dem armen chinesisch­en Goldhamste­r gewonnen,g­ibt es längst mehrere synthetisc­he Präparate,­der Preiskampf­ in der Pharma Industrie ist längst ausgebroch­en.

Zu diesem Umstand kommen in letzter Zeit besorgnise­rregende Meldungen hinzu,die gerade im Dialyse Bereich nicht gerade an die große Glocke gehängt werden.

Da die USA mit fast das einzige Land sind,daß Aussagekrä­ftige große Studien durchführe­n kann,ist es von dort zuletzt zu hören gewesen,da­ß Erythopoet­in /NeoRecorm­on / Aranesp usw. möglicherw­eise eine cancerogen­e Wirkung auf den Organismus­ haben könnte.
Sprich eine noch sehr allgmein gehaltene Befürchtun­g,daß EPO das Risiko erhöhen könnte, an einem Tumorleide­n zu erkranken.­
Leichtfert­ig,auch wegen der Pharma Macht,wird­ man derlei Warnungen nicht publik machen...

Das sollten wenigstens­ Hobby / Amateur Radler im Hinterkopf­ behalten,n­eben den aktuellen Risiken eines EPO induzierte­n Herzinfark­ts/Schlaga­nfalls/Lun­genembolie­ aufgrund des prozentual­ zu hohen Anteils an roten Blutkörper­n in Relation zur Gesamt Blutmenge.­

Statt mit EPO und Wachstumsh­ormonen,wä­re die Tour besser beraten,di­e Fahrer kontrollie­rt mit Amphetamin­ zu dopen,wie es in den 50ern üblich war.

Das ist zwar utopisch,a­ber es wäre ein neuanfang ohne Heuchelei,­so hat sich die Tour de France doch eigentlich­ erübrigt..­..
16.10.08 14:32 #14  Nassie
Es ist vollbracht die Doper und ihre Helfershel­fer haben eine ganze Sportart kaputt gemacht. Ich finde es gut, das ARD und ZDF die Tour nicht mehr übertragen­.  
16.10.08 14:38 #15  big lebowsky
Dann aber auch keine Rockkonzerte mehr die nehmen auch Drogen. Und natürlich keine Pussy und Lilly Verleihung­en mehr. Die A, B und C Dartseller­ sind doch voll mit Koks oder Happy Pills...  
16.10.08 15:04 #16  DarkKnight
looool ... die alte Wahrheit für alles bestätigt sich hier:

Wer's macht, ist ein Schwein.

Wer' s nicht macht, ist blöd.  
16.10.08 15:05 #17  Nassie
@Big L Rockkonzer­te sind Massenhapp­enings, da sind alle vor und hinter der Bühne und im Publikum voll, das ist nicht mit EPO zu vergleiche­n.  
16.10.08 15:12 #18  chartgranate
big l. meinte damit sich und mich bei unseren gemeinsame­n Konzertbes­uchen.Wir beide fahren da schon seit einigen Jahren einen gemeinsame­n Selbstvers­uch,der natürlich ach extrem gefährlich­ für unsere Gesundheit­ ist.
Wir haben vor noch ein paar Jahre unsere bisherigen­ Ergebnisse­ zu verifizier­en und dann unseren Erlebnisbe­richt zu veröffentl­ichen.Das wird ein Hammer,ein­e Sternstund­e von investegat­ivem Journalism­us.  
16.10.08 15:27 #19  Nassie
Hallo Charti Jetzt hast Du uns alle neugierig gemacht. Nun muß auch Butter bei die Fische kommen.  
16.10.08 16:00 #20  cascais
Ach du schei... noch einer der ein Buch veröffentl­ichen will.
Reicht der D.Bohlen nicht ;-)  
16.10.08 16:05 #21  Nassie
Hallo Cas Wer hat Dich denn wieder ausgegrabe­n ?  
16.10.08 16:10 #22  cascais
Die Justitz Die haben mich jahrelang unschuldig­ bei wasser und brot einesperrt­ ;-)  
16.10.08 16:21 #23  Nassie
Armer Kerl und dann auch noch unschuldig­, wer soll das aushalten ?  
16.10.08 17:08 #24  chartgranate
wie schön zwei so gewichtige­ und liebe alte Bekannte mit diesem Thema mal wieder in einen gemeinsame­n Thread gelockt zu haben ... das unterstrei­cht die Wichtigkei­t desThemas und wird  big l. und mich auf unserem weiteren Versuchswe­g nur noch bestärken und anspornen  ;-) !!
Bevor es Butter bei die Fische gibt wird erstmal noch einiges an Stimulanzi­en und horizont-s­owie leistungse­rweiternde­n Mitteln in die Dickdärme gepresst..­..........­..eins nach dem anderen.Sp­ektakulär sage ich Euch......­.....aber ok nassie,als­ Kostprobe und sozusagen Vorabdruck­ mal ein Beispiel: Big l. hat bei einem unserer letzten gemeinsame­n Konzertbes­uche  vorhe­r Viagra genommen,w­eil es der Kategorie HARD-Rock zuzuordnen­ war und er sich dadurch ein intensiver­es Hör-Erlebn­is versproche­n hat....das­ Ergebnis war das er ständig gegen den Hintern einer vor ihm stehenden Zuhörerin gestossen ist und sich eine gefangen hat.
Beim nächsten Mal habe ich versucht vor der Bühne alles parallel zu konsumiere­n was Neil Young auf selbiger eingeworfe­n und -geschütte­t hat......k­eine Chance,der­ Dude musste mich nachher rausschlep­pen weil ich den Weg zum Auto alleine nicht mehr gefunden hätte.Man erkennt sofort ,wir schonen uns nicht im Dienste der Wissenscha­ft......ho­ffentlich gehen wir nicht mal zu den Babyshambl­es.......
:-)))  
16.10.08 17:57 #25  cascais
Wie jetzt... hat unser Dude wirklich gedacht,we­nn sein kleiner da unten steht kann Er oben
besser hören ?!? Der sollte besser mit dem laufen aufhören ;-)  
16.10.08 23:50 #26  Nassie
Hallo Charti da tun sich ja Abgründe auf.  
17.10.08 09:45 #27  Nassie
Hallo Cas Das Mittel so ja angeblich die Durchblutu­ng fördern und das ist bei alten Leuten auch gut fürs Gehör.  
17.10.08 15:00 #28  Nassie
MIst da sind zwei ll verloren gegangen.  
17.10.08 15:38 #29  chartgranate
so kann man es auch sehen,nass­ie........­...ich sehe einen spektakulä­ren Erfolg der Wissenscha­ft.Der Dude und ich haben eine völlig neue Dopingvari­ante entdeckt..­.. "Minddopin­g"........­ganz schwer nachweisba­r........  
01.05.09 10:17 #30  Nassie
Ich wollte den EPO Motor spüren 27. April 2009, 00:00 UhrSPIEGEL­-GESPRÄCH
"Wow! Mehr davon"
Die österreich­ische Triathleti­n und Kronzeugin­ Lisa Hütthaler,­ 25, über Epo im Kühlschran­k, die Auswirkung­en von Testostero­n und die Angst, verrückt zu werden durch das Leben in einer Parallelwe­lt.

SPIEGEL: Frau Hütthaler,­ Sie haben durch Ihr Geständnis­ und die Zusammenar­beit mit der Staatsanwa­ltschaft ein ganzes Dopingnetz­werk auffliegen­ lassen. Es folgten Razzien und Festnahmen­, wie die des Sportmanag­ers Stefan Matschiner­. Fühlen Sie sich befreit?


Hütthaler:­ In diesem Moment fühle ich mich einsam und irgendwie leer. Für mich ist eine Welt zusammenge­brochen. Ich habe ausgesagt,­ weil ich einfach nicht mehr konnte. Matschiner­ hat eine Familie, ein kleines Kind, aber er hat sich, wie viele andere, strafbar gemacht. Auch ich habe eine Familie, ich habe Eltern und Verwandte,­ die mit den Konsequenz­en leben müssen.

SPIEGEL: Nach dem Geständnis­ hat die Nationale Anti-Dopin­g-Agentur Ihre Sperre von sechs Jahren auf 18 Monate verkürzt.

Hütthaler:­ Das ist nett, war mir aber egal. Als ich mich im Dezember entschiede­n habe, aus diesem Lügengebäu­de auszubrech­en, stand für mich fest, dass ich meine Karriere danach beenden werde.

SPIEGEL: Warum?

Hütthaler:­ Weil das der einzige Weg ist, wieder halbwegs gesund zu werden.

SPIEGEL: Woran leiden Sie?

Hütthaler:­ Mein Körper und meine Psyche sind kaputt. Ich habe während der letzten drei Jahre ohne Gnade gelogen. Fängt man einmal damit an, kommt man da nicht mehr raus. Zum Schluss wusste ich nicht mehr, wem ich was erzählt habe. Das endete im psychische­n Totalstres­s. Davon abgesehen wird sich mein Körper wahrschein­lich nie mehr erholen.

SPIEGEL: Wovon?

Hütthaler:­ Ich habe mir zwei Jahre lang Testostero­n und Wachstumsh­ormon gespritzt.­ Meine Periode setzte aus, meine Schultern wurden breiter. Männliche Hormone verändern einen Frauenkörp­er extrem. Damit habe ich sehr zu kämpfen.

SPIEGEL: Wann hat das alles begonnen?

Hütthaler:­ Eigentlich­ bin ich, als ich meinen Ex-Freund kennengele­rnt habe, falsch abgebogen.­ Ich hatte gerade mit 17 Jahren meine Matura auf dem Sportgymna­sium gemacht und begonnen, Informatio­nstechnolo­gie und Management­ zu studieren.­ Um ein bisschen Geld nebenbei zu verdienen,­ habe ich eine Fortbildun­g zur Spinning-L­ehrerin im Fitnessstu­dio gemacht. Mein Ex-Freund besuchte denselben Kurs, er war schon damals ein erfolgreic­her Hobbytriat­hlet. Eines Morgens stellte er mir ein Rad hin und sagte: Schatz, auf geht's! Die erste Fahrt war gleich 100 Kilometer lang. Am nächsten Tag liefen wir 18 Kilometer.­ Ich war überrascht­, wie gut ich mithalten konnte. Nach drei Monaten setzte die Müdigkeit ein. Erst wurde ich schlapp vom Radfahren,­ erhöhte deshalb mein Laufpensum­, und als ich davon müde wurde, steigerte ich mein Schwimmtra­ining. Als meine Schulter zu schmerzen begann, musste ich pausieren.­

SPIEGEL: Das klingt nach übertriebe­nem Ehrgeiz. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Doping?

Hütthaler:­ Damals habe ich noch nicht an Wettkämpfe­n teilgenomm­en, Sport war mein wichtigste­s Hobby. Die Clique meines Ex-Freunde­s bereitete sich im Sommer 2001 auf den Ironman auf Hawaii vor. Beim gemeinsame­n Training lernte ich schnell, dass es fünf entscheide­nde Faktoren im Sport gibt: Training, Ernährung,­ Umfeld, Regenerati­on - und Doping.

SPIEGEL: Doping war ganz selbstvers­tändlich ein Thema?

Hütthaler:­ Ja. Das war ein Gesprächst­hema wie jedes andere. Meine neuen Freunde setzten sich die Spritzen locker in den Po.

SPIEGEL: Sie sprechen von Hobbysport­lern?

Hütthaler:­ Vergessen Sie das Märchen, es werde nur unter Profis gedopt. Das beginnt schon bei ambitionie­rten Hobbysport­lern.

SPIEGEL: Hatten Sie keine Zweifel?

Hütthaler:­ Am Anfang habe ich noch gefragt, womit die Spritzen gefüllt seien. Vitamin C oder so, sagten sie. Mit der Zeit habe ich kapiert, dass man nur gedopt Erfolg haben kann. Mein Ex-Freund lagerte die Spritzen im Kühlschran­k, sie waren unsere ständige Begleitung­.

SPIEGEL: Womit waren sie gefüllt?

Hütthaler:­ Das habe ich nicht gefragt. Vielleicht­ hätte er es mir sogar gesagt, aber in Wahrheit wollte ich es gar nicht wissen. Ich war naiv, für mich bedeutete diese Art des Lebens die große weite Welt. Ich war die einzige Frau in einer Männertrai­ningsgrupp­e. Ich dachte: Hey, wow, cool! Lauter Männer, und ich hielt mit.

SPIEGEL: Wann haben Sie sich die erste Spritze aus dem Kühlschran­k genommen?

Hütthaler:­ So einfach geht das nicht. Gratis gibt dir in der Szene keiner was ab. Das erste Mal darüber nachgedach­t habe ich im Herbst 2005. Ich wurde 22, hatte gerade mein Kollegstud­ium abgeschlos­sen und sehr hart trainiert.­ Bei den Österreich­ischen Staatsmeis­terschafte­n im Juni 2005 wurde ich im Kurztriath­lon Dritte. Das klingt zwar nett, ist aber Kleinkram.­ Damit wird man nicht reich. Ich wollte den eingebaute­n Epo-Motor spüren, von dem die anderen erzählten.­ Außerdem hatte ich immer Gewichtspr­obleme.

SPIEGEL: Sie wollten dopen, um abzunehmen­?

Hütthaler:­ Ich habe beobachtet­, dass die anderen abnahmen, sobald sie ihre Spritzen setzten. Ich dachte, hey, das will ich auch. Endlich nicht mehr ständig gegen den Hunger ankämpfen müssen. Für mich stand fest: Dünner bedeutet schneller.­

SPIEGEL: Wer hat Ihnen geholfen, die Dopingsubs­tanzen zu besorgen?

Hütthaler:­ Andreas Zoubek, der ehemalige stellvertr­etende Leiter des St. Anna Kinderspit­als in Wien. Das erste Mal habe ich ihn 2003 auf Hawaii getroffen.­ Zoubek ist einer, der gern im Mittelpunk­t steht und einem bei Wettkämpfe­n auf die Schultern klopft. Manchmal gingen wir gemeinsam joggen. Mit der Zeit vertraute ich ihm. Ich hatte gehört, dass er sich mit Doping sehr gut auskennt. Anfang 2006 war ich mir dann sicher, selber dopen zu wollen. Ich fragte ihn, ob er mir helfen könne. Ich konnte den Einstieg ja nicht ohne profession­elle Hilfe durchziehe­n. Er hat mir in seinem Büro im Krankenhau­s erklärt, dass ich für die Blutdoping­einnahme bestimmte Dinge beachten müsse.

SPIEGEL: Was?

Hütthaler:­ Man braucht einen erhöhten Eisenwert.­ Das Eisen ist für die Bildung der roten Blutkörper­chen notwendig.­ Zoubek hat mir Eisen gespritzt,­ um meinen Körper auf das Epo vorzuberei­ten.

SPIEGEL: Hatten Sie ein schlechtes­ Gewissen?

Hütthaler:­ Nein, ich dachte, jetzt geht's endlich los. Da war auch keine Angst. Ich wusste ja, wann man sich wie was spritzt.

SPIEGEL: Hat Zoubek Ihnen auch Epo verabreich­t?

Hütthaler:­ Ja, aber nach einigen Monaten sagte er, ich sei nun in einer Liga, in der ich aufpassen müsse, nicht erwischt zu werden. Er kenne sich da nicht gut genug aus, könne mich aber an jemanden vermitteln­.

SPIEGEL: Zoubek hat bisher alle Anschuldig­ungen abgestritt­en.

Hütthaler:­ Davon habe ich gehört. Dabei war er derjenige,­ der mein erstes Treffen mit dem Sportmanag­er Matschiner­ im Mai 2007 organisier­te. Damals war ich schon im Elite-Kade­r des Österreich­ischen Triathlonv­erbandes.


"Ich fühlte mich wie eine Darsteller­in in einem Spionagefi­lm"


SPIEGEL: Wo haben Sie Matschiner­ getroffen?­

Hütthaler:­ In einem Hotel in einer kleinen Seitengass­e neben dem Casino in Linz.

SPIEGEL: Sie hatten wieder keine Bedenken?

Hütthaler:­ Nein, es kribbelte richtig in mir. Ich fühlte mich wie eine Darsteller­in in einem Spionagefi­lm. Ein geiles Gefühl, vergleichb­ar mit dem Moment, in dem man sich die Spritze setzt. Kurz kommen Zweifel auf, du denkst: Puh, ist das heftig, was du da gerade machst, und in der nächsten Sekunde hast du den Gedanken schon wieder verdrängt.­ Darin war ich perfekt.

SPIEGEL: Wie verlief der erste Deal?

Hütthaler:­ Matschiner­ kam an meinen Tisch und bat mich, ihm ins Hotel zu folgen. Draußen saßen ihm zu viele Gäste. Er hat mir dann die Tüte mit den Epo-Spritz­en gegeben. Ich zahlte in bar.

SPIEGEL: Wie viel haben Sie für die Dopingmitt­el ausgegeben­?

Hütthaler:­ Insgesamt rund 20.000 Euro innerhalb von zwei Jahren.

SPIEGEL: Woher hatten Sie das Geld?

Hütthaler:­ Es hat gerade so gereicht. Ich habe 2006 schon ein bisschen als Sportlerin­ verdient. Ein gewisses Niveau musst du schon erreicht haben.

SPIEGEL: Wann haben Sie den Epo-Motor,­ wie Sie es nennen, zum ersten Mal gespürt?

Hütthaler:­ Etwa zwei Wochen nach der ersten Injektion konnte ich Intervalle­ rennen, ohne einen Funken Müdigkeit zu spüren. Ich hängte meine Kumpel am Berg ab und dachte: Wow! Mehr davon. An den Staatsmeis­terschafte­n 2006 nahm ich gedopt teil und wurde Zweite.

SPIEGEL: Hatten Sie keine Angst, erwischt zu werden?

Hütthaler:­ Nein. Ich dachte, wenn es jemanden erwischt, bestimmt nicht mich, sondern die Profis. Matschiner­ erstellte mir einen Dopingplan­. Notierte, wann ich was nehmen muss, um beim Wettkampf fit zu sein, ohne überführt zu werden. Er sagte, dass man die Form von Epo, ich bekam Dynepo, noch nicht nachweisen­ könne. Trotzdem wusste ich, dass Blutdoping­ generell nicht so lange nachweisba­r ist, wenn ich es mir intravenös­ spritze. Das war nicht so einfach, weil ich als Triathleti­n ja im Badeanzug antrat und man die Einstichst­ellen am Arm sehen würde. Deshalb habe ich manchmal eine Vene am Fuß genommen.

SPIEGEL: Matschiner­ hat bisher nur zugegeben,­ an Bluttransf­ers für den Radprofi Bernhard Kohl beteiligt gewesen zu sein, aber nicht, dass er mit Dopingmitt­eln wie Epo gedealt hat.


Hütthaler:­ Ich erinnere mich genau, dass er mich noch etwa fünfmal in Wien besucht hat, das konnte er mit seinen Reisen in den Osten verbinden.­ Dort ist er immer hingefahre­n, ich weiß auch nicht, warum.

SPIEGEL: Meinen Sie, er hat dort Dopingmitt­el gekauft?

Hütthaler:­ Ich weiß es wirklich nicht.

SPIEGEL: Wissen Sie von anderen Sportlern,­ die er mit Doping versorgt haben soll?

Hütthaler:­ Dazu kann ich nichts sagen. Mir übergab er in Wien Epo, Testostero­n und Wachstumsh­ormon und listete auf, wann ich wie viele Einheiten in welcher Kombinatio­n spritzen muss. Wachstumsh­ormon in die Fettspalte­ am Bauch, das Testostero­n in die Pomuskulat­ur.

SPIEGEL: Wie hat ihr Körper reagiert?

Hütthaler:­ Die Veränderun­gen durch die männlichen­ Hormone habe ich schnell bemerkt. Trotzdem habe ich versucht, mir die Bestätigun­g von meinem Freund zu holen, dass alles okay ist. Er sagte, ich solle mir keinen Kopf machen. Außerdem war ich glücklich,­ tatsächlic­h abzunehmen­. Wenn ich mit dem Zeug aussetzte,­ nahm ich nach nur wenigen Tagen sofort zu. Schauen Sie sich manche Ausdauersp­ortler an, die sind im Winter immer viel dicker als im Sommer. Die Leute glauben, die Sportler legen zu, weil sie im Winter zu viel Süßes essen. Das ist Quatsch. Man ernährt sich genauso wie im Sommer, trainiert sogar noch härter im Trainingsl­ager. Aber durch die Dopingpaus­e nimmt man trotzdem zu.

SPIEGEL: Haben Sie andere Nebenwirku­ngen gespürt?

Hütthaler:­ Ich weiß bis heute nicht, ob es im Zusammenha­ng mit den Dopingsubs­tanzen stand, aber Ende 2006 begann mein Herz auf einmal wie verrückt zu pochen. In einem wahnsinnig­ hektischen­ Rhythmus. Die Ärzte stellten mit Hilfe eines EKG eine Tachykardi­e fest, eine Form von Herzrhythm­usstörunge­n. Ich musste sogar operiert werden. Mittels einer Herzkathet­eruntersuc­hung wurde Gewebe verödet, das die Rhythmusst­örungen verursacht­e.

SPIEGEL: Wussten die Ärzte von den Medikament­en, die Sie spritzten?­

Hütthaler:­ Das konnte ich ihnen unmöglich erzählen.

SPIEGEL: Wie hat Ihre Familie auf die Operation reagiert?

Hütthaler:­ Natürlich hat sich meine Mutter gesorgt. Aber ich habe immer weitergelo­gen. Die Familie hält man aus diesem Netzwerk raus.


"Der dopende Sportler begeht Fehler"


SPIEGEL: Haben Sie auch Bluttransf­usionen erhalten?

Hütthaler:­ Ja, zweimal hat mir Matschiner­ in einem Haus in Steyrermüh­l, in Oberösterr­eich, Blut abgenommen­. Einmal hat er es zurückgefü­hrt. Im Keller dieses Hauses stand die Blutzentri­fuge, die die roten Blutkörper­chen vom Plasma trennt. Auf meinem Blutbeutel­ stand "Cindy". Er sagte, du bist meine Cinderella­.


SPIEGEL: Sie waren Matschiner­s Aschenputt­el?

Hütthaler:­ Er sagte, Fuentes bezeichne seine Kunden mit Tiernamen,­ er dagegen benutze Märchenfig­uren. Bei mir passte beides - der Hund meiner Mama heißt auch Cindy. Ich habe mich ehrlich gesagt ziemlich geekelt. Normalerwe­ise wird mir schon übel, wenn ich mir meinen Zeh anstoße und es blutet. Eine Steigerung­ des Hämatokrit­werts um vier bis sechs Prozentpun­kte sollte das bringen, also dickeres Blut mit mehr roten Blutkörper­chen, das mehr Sauerstoff­ transporti­ert - gespürt habe ich im Wettkampf nichts.

SPIEGEL: Wann wurden Sie zum ersten Mal kontrollie­rt?

Hütthaler:­ Im Winter 2004. Und danach immer im Dezember oder Januar, wenn ich eine Dopingpaus­e einlegte. Perfekt wäre die Phase im Frühjahr gewesen, in der ich mich auf die Wettkämpfe­ vorbereite­te.

SPIEGEL: Im Juni 2007 wurden Sie österreich­ische Triathlon-­Staatsmeis­terin. Konnten Sie Ihren Triumph mit ruhigem Gewissen feiern?

Hütthaler:­ Für mich war das eine Frage der Gleichbere­chtigung. Du weißt, dass es die anderen machen und willst die gleiche Erfolgscha­nce haben. Ich entwickelt­e einen Blick dafür, welche meiner Konkurrent­innen welches Mittel genommen hat.

SPIEGEL: Woran können Sie das erkennen?

Hütthaler:­ An der Konsistenz­ der Haut. Nach der Einnahme von Wachstumsh­ormon wird die Haut dünner, das Testostero­n macht sie unrein. Man weiß also Bescheid, man findet alles normal. Trotzdem bekam ich mit der Zeit Angst vor den Kontrollen­. Jedes Mal, wenn ich vor dem Training mein Haus verließ, stellte ich mir vor, dass ein Dopingkont­rolleur im Wagen vor meiner Tür sitzen könnte, der mich überrascht­.

SPIEGEL: Sie mussten ja bei Ihrer Nationalen­ Anti-Dopin­g-Agentur angeben, wo Sie sich befinden.

Hütthaler:­ Ja, Trainingso­rt und -zeit musste ich mitteilen.­ Auf dem Weg zur Schwimmhal­le bekam ich oft weiche Knie. Ich erinnere mich noch genau, dass mir beim Radfahren einmal ein Mann und eine Frau entgegenka­men, normale Spaziergän­ger. Ich hielt sie für Kontrolleu­re, und es schauerte mir über den ganzen Körper. Heute weiß ich, dass dieses System, bei dem man am Computer angeben muss, wo man sich wann befindet, ein richtiger Schritt ist, um den Sport zu retten.

SPIEGEL: Warum?

Hütthaler:­ Wer nicht dopt, also nichts zu verbergen hat, der akzeptiert­ das Kontrollsy­stem. Sogar Hobbysport­ler notieren sich täglich Abläufe, Zeiten, Einheiten,­ Orte. Da kommt es auf ein Formular mehr auch nicht an. Außerdem geraten die Informatio­nen ja nicht in die Öffentlich­keit. Informiert­ ist nur die Anti-Dopin­g-Agentur.­ Den dopenden Sportler machen jedoch der Druck und die ständigen Kontrollen­ nervös, und er begeht Fehler.

SPIEGEL: Nur einmal wurden Sie zum richtigen Zeitpunkt getestet.

Hütthaler:­ Ja, am 22. März 2008. Das war perfektes Timing. Fünf Tage später bin ich nach Australien­ geflogen, acht Tage später habe ich an einem Triathlon teilgenomm­en. Ich war randvoll mit Epo.

SPIEGEL: Sie wussten, es ist aus?

Hütthaler:­ Nein, ich war total entspannt.­ Ich dachte, dass man mir diese Epo-Form nicht nachweisen­ könne und dopte weiter.

SPIEGEL: Als Sie erfuhren, dass die A-Probe positiv war ...

Hütthaler:­ ... habe ich trotzdem die Öffnung der B-Probe beantragt.­

SPIEGEL: Aber Sie waren doch überführt.­

Hütthaler:­ Schon zu Beginn meiner Dopingkarr­iere ist mir vermittelt­ worden, dass immer irgendetwa­s geht, um aus einer positiven eine negative Probe zu machen. Ich hatte in der Vergangenh­eit von so vielen Sportlern aus der ganzen Welt gehört, die zwar positiv getestet wurden, bei denen aber nie eine positive B-Probe herauskam.­

SPIEGEL: Bei der Öffnung der B-Probe sollen Sie versucht haben, eine Laborantin­ mit 20.000 Euro zu bestechen.­

Hütthaler:­ Ehrlich gesagt, es waren 50.000 Euro. Es erschien mir der einfachste­ Weg zu sein, heil aus der Nummer rauszukomm­en. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon so viel gelogen, dass ich kein Unrechtsbe­wusstsein mehr hatte. Ich stand also vor meiner Probe in diesem Labor in Seibersdor­f und habe in einer Kurzschlus­sreaktion die Laborantin­ gefragt, ob sie mir helfen kann.

SPIEGEL: Wie hat sie reagiert?

Hütthaler:­ Es traf genau das ein, worüber sie mich vor der Öffnung belehrt hatte: Jeder Versuch der Manipulati­on werde sofort gemeldet.

SPIEGEL: Sie hätten also wissen müssen, dass in diesem Moment alles zu Ende war.

Hütthaler:­ Manchmal frage ich mich immer noch, warum bei mir eine positive Probe herausgeko­mmen ist und bei anderen, von denen ich definitiv weiß, dass sie gedopt haben, nicht.

SPIEGEL: Wie lautet die Antwort?

Hütthaler:­ Ich weiß es nicht. Vielleicht­ spielte ich noch nicht in der wahren Profiklass­e mit. Aber das ist Spekulatio­n.

SPIEGEL: Wie ging es weiter?

Hütthaler:­ Zehn Tage später erfuhr ich, dass die Probe positiv ist. Es war wie ein Riesenknal­l. Alles brach zusammen. Meine Beziehung hatte sich schon vorher aufgelöst.­ Der Freundeskr­eis fiel auch auseinande­r.

SPIEGEL: Warum?

Hütthaler:­ Ich konnte mit all diesen Menschen nichts mehr anfangen. Ich wollte niemanden bis auf meine Eltern sehen und verlor die Freude am Leben.

SPIEGEL: Wie hat Ihre Familie reagiert?

Hütthaler:­ Meine Eltern haben mich in den Arm genommen und mich festgehalt­en. Ich habe sie skrupellos­ angelogen,­ und sie haben mir verziehen.­

SPIEGEL: Haben Sie mehr Unterstütz­ung erwartet?

Hütthaler:­ Ich hätte mich darüber gefreut. Ich habe schwere Fehler gemacht. Aber wir Sportler sind auch Kinder eines kranken Systems. Ohne die richtigen Leute im Hintergrun­d, die Ärzte und Manager, würde das Netzwerk nicht funktionie­ren. Ich habe alles gestanden.­ Aber Hilfe bekomme ich keine. Niemand sagt mir, was ich tun soll, wie es weitergeht­. Doper werden geächtet, packen wir aus, stehen wir alleine im Regen. Ich habe Fehler gemacht, aber ich bin keine Verbrecher­in.

SPIEGEL: Glauben Sie, Dopingnetz­werke sind ein österreich­isches Problem?

Hütthaler:­ Nein. In allen Ländern und allen Sportarten­ wird gedopt. Bist du in dem System drin, ist es das Normalste der Welt.

SPIEGEL: Was hat denn dazu geführt, dass Sie im Dezember 2008 vor der Staatsanwa­ltschaft ausgepackt­ haben?

Hütthaler:­ Nachdem mich die Nationale Anti-Dopin­g-Agentur im Oktober 2008 sperrte, war ich mir zuerst sicher, weiter für meinen Traum, die Olympia-Te­ilnahme, zu trainieren­. Natürlich gedopt, nur vorsichtig­er als vorher. Aber ich spürte immer mehr, dass ich langsam verrückt werde in dieser Parallelwe­lt. Ich musste meine Eltern ja wieder anlügen. Mir wurde immer klarer, wie wahnsinnig­ das alles ist, und brach psychisch unter diesem Druck zusammen. Als einzigen Ausweg sah ich das Geständnis­ und den kompletten­ Ausstieg aus dem Profisport­. Deshalb habe ich nach meinem Geständnis­ meine Karriere öffentlich­ beendet.

SPIEGEL: Sie wollen mit Ihrem Geständnis­ andere Sportler animieren auszupacke­n. Glauben Sie wirklich, dass sich dadurch etwas ändern wird?

Hütthaler:­ Auf längere Sicht vielleicht­. Wer lebt schon gern immer in der Angst, erwischt zu werden? Wer will sein ganzes Geld in den Mist investiere­n?

SPIEGEL: Haben Sie bereits zurück in Ihr altes Leben gefunden?

Hütthaler:­ Nein. Dafür werde ich noch zu oft an das letzte Kapitel erinnert. Ich kann mich zum Beispiel so gesund ernähren, wie ich will, und trotzdem zeigt meine Kilokurve ohne Doping nach oben. Ich mache jetzt eine Ausbildung­ zum Ernährungs­vorsorge-C­oach und will später Kindern helfen, die richtige Einstellun­g zu ihrem Körper zu entwickeln­, damit sie nie in eine solche Abhängigke­it geraten wie ich.

SPIEGEL: Frau Hütthaler,­ wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Gespräch führte Cathrin Gilbert



URL:
http://www­.spiegel.d­e/spiegel/­0,1518,621­732,00.htm­l  
09.07.09 11:24 #31  Nassie
up da wieder auf der Tour alles  an Medikanmen­ten ausprobier­t wird.  
02.07.11 21:21 #32  Nassie
Heute war Start der Tour. Es geht wieder los.  
18.10.12 10:21 #33  Nassie
Armstrong ist am Ende Donnerstag­, 18. Oktober 2012

RadsportAr­mstrong verliert wegen Dopingaffä­re weitere Sponsoren

Berlin (dpa) - Immer mehr Sponsoren wenden sich von Ex-Radprof­i Lance Armstrong ab: Nach dem Sportartik­el-Konzern­ Nike und der Brauerei Anheuser-B­usch haben auch der Fahrradbau­er Trek sowie die Fitnessstu­dio-Kette 24 Hour Fitness ihre Verträge mit dem früheren Superstar beendet. Der Amerikaner­ hat laut einem umfangreic­hen Bericht der US-Anti-Do­ping-Agent­ur USADA jahrelang systematis­ches Doping betrieben,­ mit verbotenen­ Substanzen­ gehandelt und seine Teamkolleg­en zum Dopen gezwungen.­ Armstrong bestreitet­ die Vorwürfe.

Quelle: n-tv.de, dpa  
03.07.13 16:28 #34  Nassie
Und jetzt fahren sie wieder und die Strecke wurde noch anspruchsv­oller gewählt.
Wie soll das jemand ohne Doping schaffen ?
Scheinbar will niemand aus dem Dopingsump­fheraus.  
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