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Mo, 10. August 2020, 11:20 Uhr

Wie lassen sich Unternehmen sinnvoll bewerten?


10.07.20 14:20
aktiencheck.de

Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - Klassische Kapitalanlagen wie Lebensversicherungen, Bausparverträge oder auch Festgeldanlagen werfen kaum noch Rendite ab. Aufgrund mangelnder Alternativen entscheiden sich zunehmend mehr Privatpersonen für eine Investition in Aktien. Bei der Entscheidung zu passenden Unternehmen gilt es aber nicht wahllos vielversprechende Unternehmensanteile zu kaufen, vielmehr sollte der Auswahl der Aktien eine genaue Analyse vorangehen. Was gilt es in diesem Zusammenhang zu beachten?



Grundvoraussetzungen


Bevor man sich mit der Bewertung von Unternehmen oder Aktien auseinandersetzt, ist es ratsam, sich zunächst ein solides Grundwissen über Wertpapiere anzueignen. Neben Büchern und Zeitschriften zu diesem Thema gibt es auch zahlreiche Informationen im Internet. Nur mit einem fundierten Basiswissen lassen sich die Chancen und Risiken der jeweiligen Anlage einschätzen. Um durch Unternehmensanteile bzw. Aktien eine langfristige Rendite zu erwirtschaften kommt es darauf an, das Potenzial einer bestimmten Aktie oder eines bestimmten Unternehmens zu analysieren. Sofern angenommen wird, das der aktuelle Kurs einer Aktie niedriger ist als der angemessene Wert, gilt es zu kaufen, ist der aktuelle Kurs hingegen höher als der angemessene Wert, gilt es sich von diesen Aktien zu trennen. Doch anhand welcher Kriterien lässt sich dies beurteilen?

Es gibt eine ganze Reihe von Kenngrößen und Werten, die eine objektive Bewertung von Aktien oder Unternehmen ermöglichen. Diese in ihrer Gesamtheit hier darzustellen würde den Rahmen sprengen, daher sollen hier einige Beispiele verdeutlichen, wie man bestimmte Sachverhalte erfassen und beurteilen kann. Zu den wichtigsten Kenngrößen gehören unter anderem:

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)


Das KGV ist eine der gebräuchlichsten Kennziffern bei der Bewertung von Aktien. Dabei wird der aktuelle Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie dividiert. Üblicherweise legt man dem KGV den geschätzten Gewinn des laufenden oder nächsten Jahres zugrunde. Anhand dieses Verhältnisses lässt sich beurteilen, ob eine Aktie angemessen bewertet ist oder vielleicht bereite über Wert gehandelt wird.

Der Cash-Flow


Der "Bargeldfluss" gibt Aufschluss über die Liquidität eines Unternehmens. Der Cash-Flow beschreibt das Verhältnis zwischen Mittelzufluss und Mittelabfluss. Bei einem positiven Cash-Flow kann ein Unternehmen Investitionen aus eigener Kraft tätigen und laufende Kredite tilgen. Ist der Cash-Flow hingegen negativ, kann das Unternehmen unter Umständen schnell in finanzielle Engpässe geraten. Es gibt kaum Möglichkeiten den Cash-Flow eines Unternehmens mit Bilanzierungstricks zu "schönen", daher sollte dieser Aspekt unbedingt Berücksichtigung bei der Bewertung finden.

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)


Eine zentrale Rolle bei der Unternehmensbewertung als auch der Aktienbewertung spielt der sogenannte Buchwert, der oft auch als Bilanzwert bezeichnet wird. Über diesen Wert können Aktionäre wichtige Informationen über den Wert eines bestimmten Unternehmens erlangen. Die Problematik: für den Buchwert gibt es keine allgemein gültige Definition. Dennoch findet er in diversen Paragrafen des Handelsgesetzbuchs Erwähnung. Prinzipiell handelt es sich bei diesem Wert um das Eigenkapital eines Unternehmens abzüglich der Verbindlichkeiten.

Um den Buchwert beurteilen zu können, betrachten Anleger und Investoren das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Dabei wird das Eigenkapital des Unternehmens (der Buchwert) durch die Marktkapitalisierung dividiert. Einzig für sich alleine genommen hat der Buchwert allerdings wenig Aussagekraft. So kann es sich bei einem niedrigen KBV einerseits um eine gute Gelegenheit zum Einsieg handeln, andererseits könne das jeweilige Unternehmen aber auch vor einer baldigen Insolvenz stehen. Es ist also unabdingbar auch weitere Werte zu betrachten.

Die Rentabilität


Eine weitere sehr wichtige Kenngröße bei der Bewertung von Unternehmen ist deren Rentabilität. Schließlich möchten Anleger vor allem auch wissen, ob das jeweilige Unternehmen effizient arbeitet und das vorhandene Kapital möglichst profitabel einsetzt. Auch dieser Bereich ist sehr komplex und in unterschiedliche Kategorien (Eigenrentabilität, Fremdrentabilität, Umsatzkapitalrentabilität etc.) aufgeteilt. In der Summe versteht man unter der Gesamtkapitalrentabilität eines Unternehmens den Gewinn geteilt durch das Gesamtkapital. Weiterführende Informationen zur Rentabilität gibt es hier.

Das Kurs-Gewinn-Wachstum-Verhältnis (KGWV)


Hier werden der Gewinn und das Gewinnwachstum eines Unternehmens im Verhältnis betrachtet. Angenommen zwei Aktien von verschiedenen Unternehmen werden zum selben Kurs gehandelt. Ein Blick auf das KGWV der jeweiligen Unternehmen kann hier Aufschluss über das jeweilige Potenzial der Aktien geben. Liegt das Gewinnwachstum des einen Unternehmens bei fünf Prozent und das des anderen Unternehmens bei 15 Prozent, kann es (unter Berücksichtigung weiterer Aspekte) durchaus ein Kriterium sein, sich für die Aktie des letzteren Unternehmens zu entscheiden.

Um Unternehmen oder Aktien möglichst realistisch bewerten zu können, ist es unabdingbar einige Erfahrungen in diesem Bereich gemacht zu haben und sich kontinuierlich mit der Materie auseinanderzusetzen. Selbst die erfolgreichsten Börsenspekulanten oder Unternehmensbewerter sind nicht in der Lage, eine 100 prozentig zutreffende Bewertung zu erstellen. Darum geht es aber auch nicht, vielmehr geht es darum zu bewerten, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Unternehmen langfristig Umsatzgewinne erzielt, bzw. eine Aktie an Wert gewinnt. Eine möglichst realistische Bewertung von Unternehmen oder Aktien ist jedoch eine gute Grundlage um das zukünftige Potenzial einzuschätzen. (10.07.2020/ac/a/m)