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So, 20. Oktober 2019, 23:16 Uhr

Währungen: Politische Themen setzen entscheidende Akzente


26.05.17 10:57
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1202 (07:28Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1186 im fernöstlichen Handel markiert wurde, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 111,47. In der Folge notiere EUR/JPY bei 124,88. EUR/CHF oszilliere bei 1,0908. In den letzten 48 Stunden hätten politische Themen entscheidende Akzente gesetzt: Die Brüskierung der EU-Staatenauf dem Nato-Gipfel in Brüssel durch US-Präsident Trump sei dabei nur eine Facette gewesen. Man könnte seitens der EU-Teilnehmer der NATO durchaus einmal die Frage stellen, wie selbstkritisch die USA mit sich in ihrer Außenpolitik seien und den daraus resultierenden Folgen für die NATO-Mitglieder (u.a. Flüchtlingsströme). Sei man seitens der USA bereit, die Fehler und internationalen Rechtsverstöße anzuerkennen und dafür auch die volle Verantwortung zu übernehmen?

Wie viel Schaden sei der NATO implizit durch die unilateralen Militäroperationen und "Regime-Change"-Attacken der exzeptionellen USA zugefügt worden? Sei dafür auch ein Preis seitens der USA zu entrichten? Diese aktuell von den USA forcierte Debatte über Geldmittel sei recht eindimensional. Erreiche man Frieden durch Waffen oder durch politische Mittel, beispielweise Gespräche miteinander, Aufbau gemeinsamer Projekte (Modell Hanse)?

Die kompromisslose und undiplomatische Haltung Donald Trumps, die unter Umständen stärker auf die US-Innenpolitik ausgerichtet sei als auf die reale Außenpolitik, signalisiere Hybris seitens der US-Politik in einer Phase struktureller Schwäche der US-Wirtschaft, die in wesentlichen Teilen am weit aufgedrehten Schuldentropf hänge und kaum von selbsttragenden Kräften geprägt sei. Diese Konstellation lautester Töne, auch unsachlicher Qualität, gekoppelt mit den im Raum stehenden US-Forderungen würden Vergleiche zu einem Pokerspiel erlauben, definitiv nicht mit einem Schachspiel.

Hinsichtlich des Gesprächs Trumps mit Vertretern der EU sei man als Nachrichtenkonsument nahezu atemlos. Weniger wegen des Ausfalls gegen die deutsche Autoindustrie, als vielmehr bezüglich des Mangels an Basiswissen auf Seiten der USA. Dort sei den Verhandlungsführern noch nicht einmal bewusst, dass nicht die Einzelstaatender EU, sondern die EU die Handelspolitik gestalte. Wer mache da seine Hausaufgaben nicht? Wer sei professionell? Wenn Herr Trump mit der deutschen Autoproduktion in den USA spielen wolle, dann nur weiter so - die Wachstumsmärkte der Welt seien nicht mehr die USA (Bestandsmarkt), sondern lägen im Osten und Fernen Osten oder im Süden...

Der Ausblick für das G7-Treffen in Sizilien sei wenig vielversprechend. Klimathemen und Handelspolitik würden die Agenda bestimmen. In beiden Themenbereichen seien die Positionen der EU mit denen der USA wenig kompromissfähig.

Die Fragmentierung und Entfremdung nehme in der westlichen Welt zu. Das stelle ein Risiko dar, es sei aber auch eine Chance für Europa, sich dem Teil der Welt zuwenden, wo das Wachstum nachhaltig sei.

Es möge zu der politischen Auseinandersetzung der USA passen, wenn eine US-Ratingagentur von weiteren Abstufungen Chinas fabuliere. Moody’s habe das bei China nicht ausgeschlossen. Die Strukturreformen dürften nicht ausreichen, um die steigende Verschuldung zu stoppen, laute es aus den Hallen der Agentur. Die Analysten seien Freunde der Fakten: Aktuelle Daten des IWF per 04/2017 Fiscal Monitor US-Staatsverschuldung bei 108,3% des BIP versus Chinas Staatsverschuldung bei 49,3% des BIP.

Manchen stünde es gut an, vor ihrer eigenen Haustür zu kehren. Diese Asymmetrien, die westliche Institutionen ausgeprägt gegen Russland und China leben würden, seien Katalysatoren für eine potenzielle Abwendung der entscheidenden aufstrebenden Länder vom Westen. Sie seien definitiv Ermunterung zu einer Emanzipation von dem westlichen Organigramm. Am Ende isoliere sich der Westen durch diese Arroganz der Missachtung der Fakten. Sei man sich in Brüssel, Paris und Berlin dieser mittel- und langfristigen Risiken für das europäische Geschäftsmodell bewusst?

Das Protokoll des Offenmarktausschusses liefere starke Verbalakrobatik. Quintessenz sei die Darstellung der schwachen Konjunkturlage als vorübergehendes Phänomen (das fünf Quartale andauere). Dieses Thema eigne sich als Facette der Debatte über alternative Fakten…

Man wolle offiziell Zinserhöhungen - man wolle, dass der Markt an Zinserhöhungen glaube... Die US-Konjunkturdaten hätten ein durchwachsenes Bild geliefert: Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien sei unerwartet per Berichtsmonat April von zuvor 5,70 auf 5,57 Millionen Objekte in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung gesunken. Der vorläufige Report über Großhandels-und Einzelhandelslagerbestände sei per April wenig erbaulich gewesen. Hier sei es zu einem unerwarteten Rückgang um 0,3% gekommen. Der Vormonatswert sei von +0,2% auf +0,1% revidiert worden. Strukturell sehe es im US-Außenhandel prekär aus. Die vorläufigen Zahlen der Handelsbilanz im reinen Warenverkehr habe einen Anstieg des Defizits von zuvor 65,1 auf 67,6 Mrd. USD geliefert. Aktuell ergebe sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiere. Erst ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1,0970 bis 1,1000 drehe das Bias zugunsten des USD. (26.05.2017/ac/a/m)