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Fr, 21. Juni 2019, 1:14 Uhr

Mehr Realitätssinn an Finanzmärkten? - Datenpotpourri durchwachsener


06.01.17 11:40
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0580 (07:42Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0483 im europäischen Handel markiert wurde, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 116,07. In der Folge notiere EUR/JPY bei 122,82. EUR/CHF oszilliere bei 1,0706. Der Euro habe gestern gegenüber dem USD an Boden gewonnen und Höchstkurse bei 1,0615 markieren können. Gleiches gelte für die Edelmetalle. Gold habe gestern kurzzeitig mit 1.185 USD das höchste Niveau seit vier Wochen erreicht. Es wäre hier verfrüht, von Realitätssinn an Finanzmärkten zu fabulieren.

Die Chance würden die Analysten dem Markt jedoch nicht absprechen wollen. Diese Chance habe eine firme Untermauerung, denn das konjunkturelle Gebilde in den USA sei maßgeblich auf Kredit und nicht auf Einkommen gebaut. Kredit sei wie Sand und wiederkehrende Einkommen seien vergleichbar mit Beton. Werfe man einen Blick auf die Neuverschuldung der öffentlichen Hand per 2016 in den USA: Es sei zu einer Zunahme um 1,055 Mrd. USD oder 5,6% des BIP gekommen. Anders ausgedrückt, für eine Ausweitung des BIP um 318 Mrd. USD habe die US-Adminstration die Neuverschuldung um 1,055 Mrd. USD erhöht. Das Wachstum der Konsumverschuldung bei liederlichen Kreditvergabestandards/FICO Scores habe allein in den ersten neun Monaten per 2016 bei 5,0% gelegen. Was sei das für ein Geschäftsmodell? "Food for thought!"

Die heute früh veröffentlichten deutschen Daten hätten im Monatsvergleich auf ersten Blick nicht überzeugen können. Die schwache Performance der Monatswerte sei jedoch eine Reaktion auf die unerwartet starken Vormonatsergebnisse. Ergo sei das Gesamtbild nach wie vor positiv und solide. Das gelte insbesondere für den Konsumsektor. Per Berichtsmonat November sei es im Monatsvergleich zu einem Rückgang der deutschen Auftragseingänge um 2,5% (Prognose -2,3%) als Reaktion auf den starken Anstieg um 5,0% (revidiert von +4,9%) des Vormonats gekommen.

Per Berichtsmonat November hätten die Einzelhandelsumsätze im Monatsvergleich einen Rückgang um 1,8% (Prognose -0,6%) nach zuvor +2,5% (revidiert von +2,4%) verzeichnet. Im bedeutenden Jahresvergleich habe sich ein Anstieg um 3,2% nach zuvor -0,8% (revidiert von -1,0%) eingestellt. Im Verlauf von Januar bis November 2016 habe der preisbereinigte Anstieg bei 1,9% und der nominale Zuwachs bei 2,2% gelegen.

Die Erzeugerpreise der Eurozone würden das Thema Preisdruck unterstreichen. Es sei per November mit +0,1% zum ersten Anstieg im Jahresvergleich seit Juni 2013 gekommen. Per April 2016 habe dieser Wert noch bei -4,4% gelegen. Mit anderen Worten nehme der Preisdruck im produzierenden Sektor recht dynamisch zu. Die Analysten würden hoffen, dass die Wahrnehmungsoptik bei den Stabilitätswächtern in Frankfurt nicht durch exogene Einflüsse getrübt sei.

Die Sentimentindikatoren für den US-Dienstleistungssektor hätten für den Berichtsmonat Dezember grundsätzlich überzeugen können. Der "Final US Services Business Activivty Index" von dem Anbieter Markit sei von 54,6 auf 53,9 Punkte gesunken, er signalisiere aber dennoch weiter solide Expansion. Positiv sei anzumerken, dass der Subindex für die Beschäftigung den höchsten Wert seit September 2015 erklommen habe. Kritisch sei anzumerken, dass der Preisdruck deutlich zunehme. Der Composite Index von Markit (Produktion und Dienstleistung) sei per Dezember von zuvor 54,9 auf 54,1 Punkte gesunken. Ein wenig Trump-Euphorie entweiche dem Sentiment.

Der stärker beachtete ISM-Dienstleistungsindex habe wider Erwarten auf hohem Indexstand von 57,2 Punkten verharrt. Die Prognose habe bei 56,6 Zählern gelegen. Der Index habe damit das höchste Indexniveau seit Ende 2015 bestätigt.

Dagegen hätten die Daten vom US-Arbeitsmarkt nüchternere Entwicklungen impliziert, die auch nicht notwendig zu den Sentimentindikatoren zur US-Beschäftigung passen würden. Der ADP-Beschäftigungsreport, der nur Auskunft über Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft gebe, habe per Dezember eine moderate Enttäuschung mit "nur" 153.000 neuen Jobs geliefert. Die Prognose habe bei 170.000 gelegen.

Der Challenger Report, der Auskunft über angekündigte Entlassungen in den USA gebe, habe per Dezember eine Zunahme der betroffenen Jobs von 26.900 auf 33.600 geliefert. Im Jahresvergleich sei es zu einem Anstieg um sportliche 42,4% nach zuvor -13% per November gekommen. Dennoch sei das Niveau der angekündigten Entlassungen historisch gesehen unkritisch.

Aktuell ergebe sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiere. Erst ein Ausbruch über das Widerstandsniveau bei 1,0670 bis 1,0700 eröffne neue Opportunitäten und drehe das Bias wieder ins Positive. (06.01.2017/ac/a/m)