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Fr, 25. September 2020, 9:21 Uhr

Investment Outlook 2020: Flexibel bleiben in unterschiedlichen Szenarien


29.11.19 16:49
Amundi

Paris (www.aktiencheck.de) - Nach der hervorragenden Performance in diesem Jahr stellt sich für Anleger zunehmend die Frage, ob die Weltwirtschaft 2020 auf eine durch Handelskriege ausgelöste Rezession zusteuern und damit den längsten Bullenmarkt aller Zeiten beenden wird, so die Experten von Amundi.

Oder ob sich, wenn sich das Wachstum auf einem niedrigen Niveau stabilisiere und sich möglicherweise erhole, der Zyklus noch weiter verlängern könnte. Nach Ansicht von Amundi stelle der Rückgang des Welthandels eine wesentliche Veränderung der Wachstumsstruktur dar, er werde jedoch nicht zu einer vollständigen Rezession führen, erst recht nicht in einer Zeit, in der sich die kumulative Lockerungspolitik beschleunigen werde, und ein Teilabkommen zwischen den USA und China in Sicht sei. Die Kombination aus Geld- und Fiskalpolitik - ein Thema, das im nächsten Jahr und darüber hinaus an Bedeutung gewinnen werde - könnte den Zyklus weiter verlängern und die robuste Binnennachfrage stärken. Während der Lärm in Bezug auf handelsbezogene Themen hoch sein werde, sei eine wesentliche Verschärfung, die die US-Wirtschaft schädigen könnte, angesichts der bevorstehenden US-Wahlen im Jahr 2020 unwahrscheinlich.

Im Jahr 2020 sei der Weg für Investoren möglicherweise nicht linear.

- Kurzfristig seien die Markterwartungen hinsichtlich politischer Maßnahmen zu weit gegangen und müssten angepasst werden. Der Anpassungsprozess werde die Volatilität bei Anleihen ankurbeln, da die Bodenbildung bei den Kernanleiherenditen bereits begonnen habe und eine Korrektur in einigen teuren defensiven Sektoren des Aktienbereichs. In Bezug auf den US-Dollar dürfte der US-Renditevorteil einen größeren Ausverkauf des Dollars im Jahr 2020 verhindern. In Bezug auf das Währungsmanagement halten die Experten von Amundi eine leichte Abwertung des Dollars für das wahrscheinlichste Ergebnis, aber dies würde ausreichen, um ein gewisses Vertrauen wiederherzustellen in selektive Emerging Markets-Währungen, für die der Pessimismus übertrieben sei.

- Über die kurze Frist hinaus gehe der Trend zu einem aggressiveren Policy-Mix, der möglicherweise unorthodoxe Maßnahmen beinhalten könne, wenn sich das Rezessionsrisiko erhöhe. Das Ergebnis werde eine Verlängerung des Kreditzyklus sein, die letztendlich zu einer "Explosion" führen könnte, auch wenn das im Jahr 2020 unwahrscheinlich sei. Die Anleger würden gezwungen sein, in enge oder illiquide Bereiche zu gehen, in denen das Risiko durch übermäßige geldpolitische Maßnahmen verborgen sei. Um die Interessen der Anleger in einer von Schulden überfluteten Welt zu wahren, müsse die Nachhaltigkeit (der Unternehmensbilanzen oder der Fiskalpfade in Schwellenländern - EM) jetzt ein entscheidender Faktor bei der Auswahl sein, da sich die Fundamentaldaten bereits verschlechtern würden.

Was die Anlagestrategie für 2020 betreffe, sollten sich Anleger auf die Anpassung der Zusammensetzung ihrer Portfolios an den De-Globalisierungstrend konzentrieren, anstatt eine globale Rezession zu fürchten. Sie sollten sich auch auf einen ausgereiften und verlängerten Kreditzyklus mit höheren Liquiditätsrisiken aufgrund strengerer Vorschriften nach der Krise von 2008 vorbereiten.

Die Experten von Amundi sehen folgende Hauptthemen für Investoren:

- Erstens würden Income und Chancen aus der Umschichtung in vernachlässigte Bereiche die Aktien-Story 2020 sein. Während sich die Erwartungen an die Wahrscheinlichkeit anpassen würden, dass eines der alternativen Szenarien (Aufwärts- oder Abwärtsszenarien) zum Mainstream werde, sollten das Fehlen starker Richtungstrends an den Märkten und das schwache Gewinnwachstum die Anleger dazu bringen, nach stabilen Bereichen im Aktien Income-/Dividendenbereich zu suchen. Sobald sich der Ausblick stabilisiere und die Renditen die Talsohle erreicht hätten (PMI - Einkaufsmanagerindex: Erholung im ersten Halbjahr erwartet, später einige Fiskalexpansionsschritte), könnte es zu einer Umschichtung in Bereiche mit attraktiver Bewertungen kommen. Zyklische Aktien (Qualität in Europa und Value in den USA) und Small Caps böten Chancen, die über das gesamte Jahr hinweg genützt werden könnten.

- Zweitens werde die Suche nach Renditeoptimierung, mit genauerer Prüfung und flexiblen Strategien, die Anleihenmärkte bestimmen. Die Jagd nach Rendite bleibe ein zentrales Thema in Zeiten extrem niedriger Zinsen (nicht notwendigerweise negativ) und der Wiederherstellung irgendeiner Form der quantitativen Lockerung durch die Zentralbanken (Quantitative Easing) oder sogar darüber hinaus. Enge Bereiche und das Liquiditätsrisiko bestünden jedoch weiterhin und würden einen umfassenden Einblick in die Möglichkeiten bei Anleihen erfordern (sowohl in entwickelten als auch in aufstrebenden Gebieten). High Yield (HY) bleibe angesichts des günstigen Ausblicks bei Ausfallrisiken attraktiv. Allerdings sei es wichtig, einen angemessenen Zeitrahmen im Auge zu haben, gerade jetzt, wo eine mögliche Diskrepanz zwischen knapper Marktliquidität und täglicher Fonds-Liquidität auffallend sei.

Aus Unternehmenssicht werde eine verstärkte Prüfung auf Sektor- und Einzeltitelebene ebenfalls von entscheidender Bedeutung sein, um Geschäftsmodelle zu vermeiden, die nicht nachhaltig seien und nur durch den Appetit der Anleger auf Rendite am Leben erhalten würden. In einem Umfeld der geld- und fiskalpolitischen Akkommodierung seien Schwellenländer-Anleihen attraktiv, vorzugsweise in harter Währung, aber auch mit Chancen in lokalen Währungen, die sich im Laufe des Jahres ergeben würden.

Bei den Fixed Income Kernkomponenten sei ein flexibler und diversifizierter Ansatz geeignet, da die Volatilität aufgrund unterschiedlicher Nachrichtenströme zurückkehren könne, bevor sich die Anlegererwartungen an unterschiedliche Szenarien anpassen würden. US-amerikanische Anleihen von hoher Qualität würden hier eine Erwähnung wegen ihrer Liquidität und Renditeprämie verdienen.

- Drittens würden neue Themen in den Emerging Markets vor dem Hintergrund einer stärker fragmentierten Welt und einem Rückgang des Welthandels auftauchen. Investoren würden über das traditionelle "globale" Emerging Markets-Konzept hinausgehen und tiefer in attraktive Chancen und Themen eintauchen müssen. Unter den letzteren würden die Experten die Länder bevorzugen, die eine starke Binnennachfrage hätten und weniger externen Schwachstellen ausgesetzt seien. Alternativ würden Themen wie die Seidenstraße, die die potenzielle neue Rolle Chinas in der geopolitischen Landschaft einfangen würden, aus Sicht der Experten eine verstärkte Aufmerksamkeit der Anleger verdienen.

Abschließend halten die Experten von Amundi fest, dass Anleger damit beginnen sollten, volatilitätssichere Portfolios aufzubauen. Die Volatilität sei durch die Verbreitung einiger Anlagestrategien (Verkauf der Volatilität zur Erzielung der Prämie) eingeschränkt worden. Wenn sich die Markterwartungen jedoch anpassen würden, seien Volatilitätsspitzen wahrscheinlich. Wir sind in eine Phase eingetreten, in der es nicht auf die durchschnittliche Volatilität ankommt, sondern auf die Tatsache, dass die Märkte von ruhigen Phasen zu Phasen hoher Volatilität wechseln werden, so die Experten von Amundi. Um ihre Portfolios vor Volatilität zu schützen, sollten Anleger liquide alternative Strategien in Betracht ziehen, die eine geringe Korrelation zu traditionellen Anlageklassen aufweisen würden, sowie Volatilitätsstrategien. (29.11.2019/ac/a/m)