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Mi, 22. Januar 2020, 3:39 Uhr

Eurozone schlägt Nordamerika beim ESG-Investing


14.01.20 15:13
Amundi

Paris (www.aktiencheck.de) - Amundi, Europas größter Vermögensverwalter und einer der Pioniere im Bereich des nachhaltigen Investments, hat die Auswirkungen von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) auf die Portfolio-Performance untersucht, so die Experten von Amundi.

Im Fokus der Analyse stehe die Frage, inwieweit ESG-Kriterien zwischen Januar 2018 und Juni 2019 Einfluss auf die Portfolio-Performance hätten. Die Studie sei eine Aktualisierung der 2019 veröffentlichten ersten Untersuchung zu diesem Thema.

In jüngster Vergangenheit habe die globale Nachfrage institutioneller Kunden nach ESG-Investments stark angezogen. Amundi habe daher auf Basis aktueller Daten die Wertentwicklung von 1.700 Unternehmen aus fünf Anlageuniversen analysiert, die in den Indices MSCI Nordamerika, MSCI EWU, MSCI Europa-ex EWU, MSCI Japan und MSCI World enthalten seien. Die aktuelle Untersuchung bestätige die Ergebnisse der ersten Studie. Diese habe ergeben, dass ESG-Kriterien zwischen 2010 und 2013 eine schwächere und ab 2014 eine stärkere Wertentwicklung zur Folge habe. Darüber hinaus hätten sich für den neuen Untersuchungszeitraum folgende neue Trends erkennen lassen:

- Transatlantische Kluft: Nachdem die Berücksichtigung von ESG-Kriterien seit 2010 in Nordamerika und der Eurozone vergleichbare Auswirkungen auf die Portfolio-Rendite gehabt habe, seien seit 2018 Divergenzen zwischen den beiden Regionen festzustellen. In der Eurozone habe ESG weiterhin einen positiven Einfluss auf die Rendite, wobei die Kriterien Umwelt und Soziales Outperformance gebracht hätten. Hingegen sei in Nordamerika ein Rückgang der Alpha-Generierung in allen drei ESG-Dimensionen festzustellen gewesen, wobei sich der Faktor Umwelt sogar negativ auf die Wertentwicklung ausgewirkt habe. Lege man beispielsweise einen Best-in-Class-Ansatz zugrunde, bei dem die 20 Prozent der Aktien mit dem besten ESG-Ranking gekauft und die 20 Prozent mit dem schlechtesten ESG-Ranking verkauft würden, hätte dies in der Eurozone zu einer annualisierten Rendite von 5,8 Prozent geführt. In Nordamerika hätte man mit dieser Strategie nur 0,6 Prozent erwirtschaftet. Von 2014 bis 2017 hätte dieser Ansatz in der Eurozone 6,6 Prozent und in Nordamerika 3,3 Prozent gebracht.

- Soziales - vom Ende an die Spitze. Die erste Amundi-ESG-Studie habe gezeigt, dass der Faktor Soziales zwischen 2010 bis 2017 am wenigsten Alpha generiert habe. Seit 2018 sei dies jedoch das Segment, das den größten Renditebeitrag gebracht habe. Es habe sich gezeigt, dass ein Portfolio, bei dem die 20 Prozent der Aktien mit dem besten Sozial-Ranking gekauft und die 20 Prozent mit dem schlechtesten Sozial-Ranking verkauft würden, hätte dies in der zu einer annualisierten Rendite von 2,9 Prozent in der Eurozone und 1,6 Prozent in Nordamerika geführt. Eine Optimierung des Indexes, bei dem die Gewichtung der Titel mit Blick auf einen möglichst geringen Tracking Error angestrebt werde, hätte bei einem Tracking Error von 50 Basispunkten eine Überrendite von 60 Basispunkten in der Eurozone und 40 Basispunkten in Nordamerika zur Folge gehabt. Ein Hintergrund dafür könnte sein, dass eine wachsende Zahl von Investoren ESG-Trends untersuche und dem Faktor Soziales größere Aufmerksamkeit schenke.

- Das ESG-Investing werde komplexer. Die Analyse habe zudem ergeben, dass ESG heute über die Auswahl und den Ausschluss von Best- und Worst-in-Class-Titel hinausgehe. So werde die stärker werdende Beziehung zwischen ESG-Ranking und Performance manchmal auch durch die Entwicklung so genannter Second-to-Worst-in-Class1-Aktien beeinflusst. Die "abnormale" Performance dieser Aktien sei auf den Trend zukunftsgerichteter Strategien zurückzuführen. Bei diesen würden Anleger nicht in Titel mit bereits guten ESG-Scores, sondern zukunftsgerichtet in Unternehmen investieren, bei denen sich eine ESG-Verbesserung abzeichne. Das Aufkommen von ESG-Momentum-Strategien und der stärkere Fokus auf eine dynamische Beurteilung von ESG-Ratings seien positiv zu bewerten, da dies der Komplexität des ESG-Investings besser gerecht werde. Es zeichne sich ab, dass nachhaltig anlegende Investoren die zugrundeliegenden Themen besser durchdringen würden und die Schwarz-Weiß-Sicht auf Unternehmen in den Hintergrund rücke.

"Als verantwortungsbewusster Investor analysieren wir die Investitionsdynamik bei ESG kontinuierlich, um sicherzustellen, dass wir mit Blick auf die Bedürfnisse unserer Kunden gut positioniert sind", erkläre Thierry Roncalli, Leiter des quantitativen Researchs bei Amundi. "Unsere neue Analyse zeigt, dass ESG weiterhin Mehrwert bringen. Infolge divergierender Entwicklungen in verschiedenen Regionen, bei den gewählten Strategien und den ESG-Komponenten wird das ESG-Investment immer differenzierter." "Die Komplexität und Vielfalt beim verantwortungsvollen Investieren hat zur Folge, dass Anleger auf neue Themen und Antriebskräfte reagieren sollten", ergänze Vincent Mortier, stellvertretender CIO der Amundi-Gruppe. "Wir haben festgestellt, dass in den letzten zehn Jahren die Mobilisierung und das Bewusstsein der Anleger dazu geführt haben, dass die Berücksichtigung von ESG-Faktoren von einem "nice to have" zu einem "must have" geworden ist". (14.01.2020/ac/a/m)