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Fr, 18. Oktober 2019, 1:48 Uhr

China: Wider die Ängste


06.03.19 11:45
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - China steht als eine der zwei größten Volkswirtschaften der Welt naturgemäß dauerhaft im Zentrum des Interesses - im Guten wie im Schlechten, so Patrick Franke von der Helaba.

Dies drücke sich unter anderem in der dualen Bedeutung des Begriffs "China-Ängste" aus. Einerseits stehe er für Befürchtungen über den von professionellen China-Pessimisten periodisch beschworenen "großen China-Crash". Dieser sei - laut der einschlägigen Lesart - nicht nur unvermeidlich, sondern werde die Weltwirtschaft als Ganzes an den Rande des Abgrunds bringen, auch wegen der angeblich eingeschränkten Handlungsfähigkeit der großen westlichen Notenbanken und wegen des überschaubaren fiskalischen Spielraums in den Industriestaaten. 2019 scheine wieder ein gutes Jahr für diese Art der "Angst um China" zu werden.

Andererseits sei es nicht nur Donald Trump, der sich über den Aufstieg Chinas als militärische und wirtschaftliche Supermacht sorge. Auch in der EU wachse die "Angst vor China", oder konkreter einem "Ausverkauf des Tafelsilbers" in der Form von Technologie, Know-how oder ganzen Unternehmen an chinesische Investoren. Diese würden nämlich vielleicht nicht nur rein gewinnorientiert handeln, sondern seien direkt in das strategische Kalkül der Führung in Peking eingebunden. Ein aktuelles Beispiel für diese Befürchtungen sei die Abkehr von bewährten ordoliberalen Prinzipien, die im neuen industriepolitischen Konzept des deutschen Wirtschaftsministers zum Ausdruck komme.

Die Analysten der Helaba würden davon ausgehen, dass sich die "Angst um China" auch 2019 wieder als verfehlt herausstelle. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte 2019 um etwa 6% zulegen, nach 6,6% im Jahr 2018. Im vierten Quartal habe die Vorjahresrate 6,4% betragen. Sie dürfte in den kommenden Quartalen weiter zurückgehen, trotz der unterschiedlichen Stimulusmaßnahmen der chinesischen Regierung. Die auf dem aktuellen Parteikongress kommunizierte offizielle Erwartung eines Wachstums im Bereich von 6% bis 6,5% für das laufende Jahr stehe im Einklang mit der Prognose der Analysten der Helaba. Sie würden damit rechnen, dass die umfangreichen geld-, fiskal- und kreditpolitischen Impulse eine stärkere Abschwächung, aber nicht den grundsätzlichen Schwungverlust verhindern könnten, denn dieser sei in erster Linie strukturell bedingt.

Ohne Sorgen über Industriespionage und Technologieklau kleinreden zu wollen, scheinen auch die Befürchtungen über eine drohende Dominanz Chinas in den globalen High-Tech-Branchen übertrieben zu sein, so die Analysten der Helaba. Bereits Ende der 1980er Jahre habe es, nicht zuletzt in den USA, eine ähnliche Panik über die "unschlagbare" Wettbewerbsfähigkeit und die explodierenden Auslandsinvestitionen eines asiatischen Landes gegeben - damals Japan. Die chinesischen Kapitalströme ins Ausland scheinen ihren Hochpunkt schon vor einiger Zeit überschritten zu haben - die Datenlage ist hier aber selbst für chinesische Verhältnisse ziemlich unsicher, so die Analysten der Helaba. Der andauernde Handelskonflikt unterstreiche die Verletzbarkeit des chinesischen Wachstumsmodells. Selbst wenn sich die nun abzeichnende Deeskalation hier als nachhaltig erweise und die Chinesen mit den Amerikanern in den kommenden Wochen einen umfassenden "Deal" machen würden, habe der Konflikt schon jetzt gezeigt, dass die USA (zumindest derzeit noch) letztlich am längeren Hebel sitzen würden. (06.03.2019/ac/a/m)