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Do, 17. Oktober 2019, 2:04 Uhr

ZEW enttäuscht, EU-Budget geplatzt, Frankreich eigenwillig - wo sind die Lernkurven?


14.11.12 10:15
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnet heute (08:00 Uhr) bei 1,2720, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1,2662 markiert wurden, berichten die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 79,75. In der Folge notiere EUR/JPY bei 101,45, während EUR/CHF bei 1,2037 oszilliere.

Einige Vertreter der Eurozone seien offensichtlich bemüht, das angeschlagene Bild der Eurozone und damit auch der EU weiter zu belasten.

In einer kritischen Phase würden dann eben die EU-Haushaltsverhandlungen für das Jahr 2013 platzen. Ja, das helfe wirklich, um Glaubwürdigkeit bei internationalen Investoren zu begründen. Falls man in diesen Zeilen einen Hauch des Stilmittels Ironie erkennen wolle, liege man richtig.

Frankreichs Präsident und Premier seien bereit, Reformen fortzusetzen. Aber bitte nur, wie ein "Gallischer Hahn" mit stolz geschwellter Brust eben Reformen im Rahmen einer Gemeinschaft mache. Man bestimme das Tempo und die Inhalte selbst und werde Deutschland zum geeigneten Zeitpunkt in Kenntnis setzen. Den Zusammenhang der Folgen für die Gemeinschaft blende man sportlich aus.

Erfreulich ist dagegen, dass ihre warnende Position hinsichtlich des Themas Zusammenhalt der Eurozone einerseits und des Bewusstseins, dass es sich maßgeblich um konjunkturelle Probleme handelt (Ausnahme Frankreich), die die Analysten der Bremer Landesbank hier im Forex Report einnehmen, Zulauf findet.

Sowohl die KfW hebe darauf ab, dass der deutsche Mittelstand, der für mehr als 70% der Arbeitsverhältnisse in Deutschland stehe, nicht auf eine Zuspitzung der Defizitkrise der Eurozone vorbereitet sei. Auch der Präsident des BGA warne vor den Risiken einer Zuspitzung der Krise.

Die Analysten würden nicht die Hoffnung verlieren, dass dieses griechische und kontinentaleuropäische Drama unter dem Aspekt der Grenznutzenbetrachtung in einer Art gelöst werde, die die Glaubwürdigkeit der Eruozone nicht zusätzlich nachhaltig beeinträchtige und die wirtschaftlichen Grundlagen der Reformländer nicht weiter erodiere.

Dennoch sei die Situation unglaublich irritierend - wo seien die Lernkurven?

Der ZEW-Sentimentindex sei per November unerwartet von zuvor -11,5 auf -15,7 Punkte gesackt. Analysten hätten einen Anstieg auf -9,8 Punkte unterstellt.

Auch die Bewertung der aktuellen Lage sei deutlich negativer gewesen. Hier sei es zu einem Einbruch von zuvor 10,0 auf 5,4 Punkte gekommen. Die Konsensusprognose habe bei 8,0 Zählern gelegen.

Die Korrelation zu dem "Handling" Griechenlands und damit der Eurozone sei ausgeprägt.

Die Stimmung der Finanzmarktteilnehmer sei vergleichbar mit einem Schnellboot, sie kippe aktuell - die Stimmung in der Realwirtschaft sei vergleichbar mit einem Tanker, sie werde weiter an Boden verlieren und damit länger investitionsavers bleiben.

Fakt sei, dass die erneute Zuspitzung der europäischen Krise realwirtschaftlich und als Folge fiskalisch hohe Kosten nicht nur für die Reformländer, sondern für die Weltwirtschaft durch nicht stattfindendes Wachstum mit sich bringe.

Der US "NFIB Small Business Survey" habe gestern positive Akzente gesetzt. Per Berichtsmonat Oktober sei es zu einem Anstieg von zuvor 92,8 auf 93,1 Punkte gekommen. Damit sei der höchste Wert seit Mai 2012 markiert worden.

Das "Federal Budget" habe per Berichtsmonat Oktober 2012 einen Fehlbetrag in Höhe von - 120,0 Mrd. USD geliefert. Die Prognose habe bei -114 Mrd. USD gelegen. Im Vorjahresvergleich sei es zu einem Anstieg des Defizits von 98 Mrd. USD um 22% auf nun 120 Mrd. USD gekommen. Daran werde deutlich, dass der Begriff Reform in den USA ein Fremdwort sei. Mehr noch sei zu beachten, dass die USA nicht durch Reformen in einer Rezession seien. An diesen Aspekten werde der qualitative Unterschied zwischen den USA und den kontinentaleuropäischen Reformländern einmal mehr drastisch augenfällig.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR/USD favorisiere. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1,2580 bis 1,2900 eröffne neue Opportunitäten. (14.11.2012/ac/a/m)