Suchen
Login
Anzeige:
Do, 1. Oktober 2020, 11:01 Uhr

USA Wahljahre sind meist gute Aktienjahre


10.03.08 10:02
Sparkasse Essen

Essen (aktiencheck.de AG) - Das Jahr 2008 ist wieder ein Wahljahr in den USA, so die Analysten der Sparkasse Essen.

Zum ersten Mal seit 1928 trete aber weder der amtierende Präsident noch sein Vize zur Wahl an. Einen Amtsbonus gebe es also nicht, das Rennen bleibe dementsprechend spannend bis zum Schluss. Dennoch gebe es eine Konstante: Wahljahre seien meist gute Börsenjahre gewesen. Dies habe mit einem Tipp zu tun, den Welt-Ökonom John Maynard Keynes 1932 Präsident Roosevelt gegeben habe.

Der sog. Präsidentenzyklus gehe auf den bedeutenden Ökonomen Keynes zurück, der Präsidenten Franklin Delano Roosevelt einst geraten habe: "Wenn Sie wiedergewählt werden wollen, müssen Sie im 3. Jahr Ihrer Präsidentschaft die Wirtschaft ankurbeln, am besten durch Zinssenkungen. Dann ist im 4. Jahr die Wirtschaft gut in Schwung, die Arbeitslosigkeit niedrig und die Menschen zufrieden. Dann werden Sie wieder gewählt."

Zwar gebe es Ausnahmen wie das Jahr 2000, doch statistisch gesehen funktioniere das System nun schon seit 70 Jahren so und besitze damit eine hohe Prognosekraft. Freundlich würden die Börsenkurse vor allem im Vorwahljahr sowie in der zweiten Hälfte des Wahljahres bis in das erste Nachwahljahr hinein verlaufen. Auffällig sei dabei noch einmal eine Beschleunigung um den Wahltermin herum. Dagegen werde die Mitte der Amtsperiode eines US-Präsidenten gewöhnlich von einer Stagnation der Börsenkurse begleitet.

Auch die Zahlen würden eine eindeutige Sprache sprechen. Seit dem Jahr 1900 habe der S&P 500-Index im Vorwahljahr um durchschnittlich 9,3% zulegen können und im eigentlichen Wahljahr 7,5% seit 1900 bzw. 8,6% seit 1945. Die Jahre zwischen den Wahlen hätten dagegen nur durchschnittliche Renditen um 3,5% erzielt. Noch interessanter als Wahljahre seien in der Statistik nur noch die Jahre mit einer "8" am Ende. Diese hätten seit 1945 sogar um durchschnittlich 14,2% zugelegt.

Hinter der Statistik würden sich reale Zusammenhänge verbergen. So würden populäre Maßnahmen wie Steuersenkungen und Ausgabenprogramme gerne vor der Wahl verkündet. Notwendige Haushaltskonsolidierungen und das Einsammeln von Wahlgeschenken würden dann in der Mitte des Präsidentenzyklus erfolgen. Auch dieses Mal halte sich die US-Notenbank exakt an dieses Drehbuch und habe sich bereits mit kräftigen Leitzinssenkungen vor den Karren der Wirtschaftspolitik spannen lassen. US-Notenbankpräsident Ben Bernanke trage also nicht zu Unrecht den Spitznamen "Helicopter-Ben". Als Notenbank-Governeur habe er einst empfohlen, man solle in Krisensituationen doch Geldbündel aus einem Helicopter abwerfen, um die Konjunktur wieder zu stimulieren.

Die Parteizugehörigkeit sei allerdings von nachrangiger Bedeutung für die Börsenkursentwicklung. So hätten in der jüngeren Vergangenheit die Präsidentschaften von Reagan (Republikaner) und Clinton (Demokraten) zu einer positiven Börsenkursentwicklung geführt, die Präsidentschaften von Bush Jr. (Rep.) und Carter (Dem.) dagegen zu problematischen Börsenverläufen. Die landläufige Meinung, dass die Wall Street besonders die republikanischen Kandidaten liebe, finde zumindest in der Statistik keine Bestätigung.

Mit dieser Aussage könnte man wahrscheinlich alle Vorurteile auf einen Nenner bringen. Von einem Wahlsieg der Demokraten dürften aber in der Tat die alternativen Energiebranchen stärker profitieren als unter republikanischer Präsidentschaft. Aktientitel aus den Sektoren Öl, Rüstung und "Big Pharma" dürften wegen geringerer Regierungsausgaben und nachteiliger Gesetze belastet werden. Statt großer Pharmawerte würden wohl eher kosteneinsparende Generika-Anbieter auf der Gewinnerseite stehen. Eine demokratische Politik der Haushaltskonsolidierung würde dem USD gut tun, aber andererseits exportorientierte Werte belasten. Heimische Arbeitsplätze würden aber wiederum beide Seiten stärker in ihren Fokus stellen wollen.

Wie könnten Anleger von diesen Erkenntnissen profitieren? Nach einem schwachen Börsenstart in das Jahr 2008 bestünden jetzt für das 2. Halbjahr 2008 wieder bessere Perspektiven. Für europäische Anleger stelle zusätzlich der schwache USD ein weiteres Kaufargument dar. Der Kurs des USD gewinne nämlich typischerweise etwas zeitversetzt im Wahljahr und Nachwahljahr an Stärke. Anleger würden also zweifach profitieren. Deshalb sollten sie die Frühjahrsmüdigkeit an den Börsen ausnutzen, US-Aktienfonds kaufen und auf die Statistik und die exzessive US-Notenbankpolitik vertrauen. (10.03.2008/ac/a/m)