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Mi, 19. Juni 2019, 1:14 Uhr

Positive Nachrichtenlage lässt Märkte noch kalt


10.01.13 14:56
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnete heute (08:20Uhr) bei 1,3055 USD, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im asiatischen Handel bei 1,3039 USD markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 88,12. In der Folge notiere EUR/JPY bei 115,10, während EUR/CHF bei 1,2090 oszilliere.

Seit einigen Wochen würden quer durch die Branche Jahresausblicke für das kommende Jahr veröffentlicht. Die Bremer Landesbank habe sich in ihren Prognosen als großer Optimist geoutet. Man sehe schon für 2013 große Chancen auf eine wirtschaftliche Erholung, wenn keine unvorhersehbaren politischen Querschüsse große Unsicherheit in die Märkte zurückbringen würden.

Nachdem sich die Sorge um Euroland seit der Ankündigung Mario Draghis zur Not Staatsanleihen von Euro-Ländern in unbegrenztem Umfang zu erwerben deutlich gelegt habe und auch das Fiskalkliff in den USA habe umschifft werden können, sei von der politischen Seite kein größeres Störfeuer in absehbarer Zeit zu erwarten. Die einzige Ausnahme bilde Italien, wo sich Berlusconi seit Montis Rücktritt versuche, in Position zu bringen. Ende Februar wissen wir (hoffentlich) auch diese offene Flanke geklärt, so die Analysten der Bremer Landesbank. Zurzeit werde versucht, das absolut beherrschbare Thema Zypern groß zu machen und die Gerüchteküche um eine Herabstufung Frankreichs werde warm gehalten.

Die vorliegenden Zahlen würden die Anzeichen einer Erholung verdichten. Beispielsweise würden die Risikoaufschläge der Peripheriestaaten-Anleihen sukzessive sinken, Griechenland und Irland hätten zuletzt wieder zu finanzierbaren Konditionen frisches Geld eingesammelt, Irlands Comeback am Kapitalmarkt werde immer realistischer und die Target2-Salden der Bundesbank würden eine Entspannung der Lage andeuten.

In der Krise seien die Target2-Foderungen der Bundesbank als Krisenindikator herangezogen worden, um die Ungleichgewichte zwischen den Euro-Ländern herauszuarbeiten. Gegenüber den Höchstständen habe sich der Wert um knapp 100 Milliarden Euro verringert. Per Dezember seien die Forderungen von 715 auf 656 Milliarden Euro gesunken. Die Forderungen würden sich immer noch weit entfernt von den altbekannten Dimensionen bewegen, die Formation der Kurve am oberen Ende sei aber markant.

Diese Bewegung deute darauf hin, dass die anhaltende Kapitalflucht aus der Peripherie habe gestoppt werden können und nun wieder Gelder zurückfließen würden. Dazu passe auch die Meldung, dass die Einlagen bei spanischen und griechischen Banken zuletzt wieder angewachsen seien. Der globale Lager- und Investitionsgüterzyklus in Zusammenwirkung mit der Gesundung der Eurozone offenbare markantes Wachstumspotenzial.

Aber nicht nur ökonomische Daten würden den Analysten Material für Optimismus liefern. Man sehe, dass die aktuelle Produktion nahe dem Vorkrisen-Niveau aus 2008 sei, die Investitionstätigkeit aber aufgrund der politischen Unsicherheit noch weit zurückbleibe. Es gebe die größte Divergenz in den letzten zehn Jahren zwischen Output und Investitionen. Ende 2003 habe sich ein ähnliches Bild gezeigt. In der Folge habe es bis 2008 fast durchgängig zunehmende Produktion, Investitionen und niedrige Volatilität am Aktienmarkt gegeben.

Kurz nach der Ankündigung der EZB, unter Umständen sämtliche Euro-Anleihen der Krisenstaaten anzukaufen falls diese unter den Rettungsschirm schlüpfen würden, habe der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) nach kurzer Zeit aufgedreht und zur Jahresendrally angesetzt. Die Investoren hätten gerne zugegriffen - auch mangels Alternativen. Die Unternehmen dagegen würden sich derzeit mit ihren Investitionen noch zurückhalten, obwohl die Voraussetzungen (Konjunkturausblick, günstige Zinsen) günstig erscheinen würden - die EZB-Maßnahmen würden noch nicht von den Unternehmen goutiert. Die politischen Maßnahmen müssten noch Wirkung in diesem Sektor entfalten, würden aber gleichzeitig Skepsis von der Unternehmensseite offenbaren. Hier bestehe in jedem Fall gerade eine markante Möglichkeit zur Trendumkehr.

Als letzte Nachricht erreichten uns heute früh sensationelle Daten aus China, die unsere Annahmen weiter stützen, so die Analysten der Bremer Landesbank. China als Konjunkturlok dampfe wieder - so stark wie seit Monaten nicht. Die Märkte würden sich trotz dieser guten Nachrichten heute bedeckt halten. Im Fokus sei die EZB-Entscheidung über den Leitzins heute Mittag. Die Analysten würden keine Änderung des Zinssatzes erwarten und sich damit der vorherrschenden Meinung anschließen. Interessanter würden dagegen die Signale, die Draghi zwischen den Zeilen senden werde. Ein heißes Eisen würden negative Anlagezinsen bleiben, die intern bei der EZB diskutiert würden.

Die deutschen Unternehmen hätten im November nur 0,2% mehr hergestellt als im Vormonat. Der überraschend schwach ausgefallene Oktoberwert sei von -2,6% auf -2,0% revidiert worden. Aggregiert liege damit das Ergebnis nahe dem von Befragten Wert (+1,0%) und zeige eine andere Tendenz als im ersten Augenblick vielleicht zu erkennen sei. Das Schlussquartal drohe trotzdem weiter damit hinter den Vorquartalen zurückzubleiben. Die derzeitige Lage deute darauf hin, dass sich mit dem Start in das neue Jahr die Produktionsperspektiven verbessert hätten.

Italiens Staatsdefizit sei im letzten Quartal 2012 auf 1,8% des BIPs gesunken. Der Vorjahreswert habe mit 2,4% (revidiert von 2,8%) noch deutlich darüber gelegen. Der Primärhaushalt - d.h. ohne zu zahlende Zinsen auf die Staatsschuld - habe sich ebenfalls positiv entwickelt und bei 3,0% nach 1,8% im Vorjahr gelegen. In den ersten neun Monaten des Jahres habe das Budgetdefizit auf 3,7% nach 3,2% im Vorjahr zugenommen.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiere. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1,2970/00 neutralisiere das positive Bias. (10.01.2013/ac/a/m)