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Do, 17. Oktober 2019, 3:14 Uhr

Obama-Party mit schnellem Ende - Märkte mit Katerstimmung


08.11.12 11:26
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnete heute (07:31 Uhr) bei 1,2762 USD, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1,2737 USD markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 79,90 In der Folge notiere EUR/JPY bei 101,95, während EUR/CHF bei 1,2060 oszilliere.

Die Märkte hätten nach dem frühen Wahlerfolg von Barack Obama zum Einstieg Gas gegeben und allesamt positiv tendiert. Der Euro habe gegenüber dem US-Dollar gewonnen, Edelmetalle seien gesucht worden und der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) habe sich ebenfalls robust gezeigt (+50 Punkte). Gegen Mittag habe sich die Stimmung aber rapide gedreht und die Märkte hätten ihre Skepsis gezeigt. Der Euro habe sich nach Kursen um 1,2850 USD schnellen Schrittes auf bis zu 1,2735 USD bewegt, bevor der Kurs am Nachmittag um 1,2755 USD gependelt habe.

Was sei passiert? Nachdem die US-Wahl zuvor im Fokus gestanden habe, seien am Vormittag schwache europäische Zahlen aus Deutschland und Spanien zur Industrieproduktion veröffentlicht worden. In Spanien sei die Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,0% gefallen. Die spanische Industrie sei seit September 2011 jeden Monat geschrumpft. In Deutschland sei ebenfalls ein Produktionsrückgang festgestellt worden, der mit 1,8% allerdings nicht so schwach wie in Spanien ausgefallen sei, aufgrund der besonderen Bedeutung Deutschlands als Lokomotive Europas aber ebenfalls für starke Ernüchterung gesorgt habe. Bisher sei die einheimische Industrie von der Binnennachfrage gestützt worden, die nun aber in die Knie zu gehen drohe. Die zuletzt schwachen Einkaufsmanagerindices und enttäuschenden Zahlen zu Neuaufträgen würden momentan ein graues Bild der Industrie zeichnen.

Die Anleger hätten prompt reagiert und würden den DAX auf die Verliererstrasse schicken. Nachdem am Vormittag noch Werte über 7.400 Punkten markiert worden seien, sei es später aufgrund der angesprochenen Zahlen in Richtung von 7.230 Zähler gegangen. Auch in den USA hätten die Anleger verhalten reagiert. Der Dow Jones (ISIN US2605661048/ WKN 969420) habe sich angeschlagen gezeigt und gestern den höchsten Tagesverlust in diesem Jahr markiert.

Die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone würden schwach bleiben. Nach dem positiven Vormonat, in dem gestiegene Umsätze gemeldet worden seien (+0,2%), habe der positive Trend nicht fortgesetzt werden können. Der Werthabe mit -0,2% im Rahmen der Analystenerwartungen gelegen. Die Euro-Krise mache sich weiter stark in dieser Zahl deutlich. Spanien habe besonders schwache Zahlen geliefert, nachdem anfangs der Woche neue Rekordarbeitslosenzahlen veröffentlicht worden seien.
Leichten Auftrieb habe dem Euro dann am späten Abend die Meldung aus Griechenland geben können, die vermeldet habe, dass das Parlament ein neues Spar- und Reformpaket durchgewunken habe. Im Kern seien milliardenschwere Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen sowie Aufweichungen des Kündigungsschutzes vorgesehen. Dieses Paket in Höhe von 13,5 Mrd. EUR stelle eine Bedingung dafür dar, dass das neue Haushaltsgesetz am Wochenende verabschiedet werden könne und somit der Weg zur Zahlung der nächsten Hilfstranche über 31,5 Mrd. EUR geebnet werde.

Ohne diese Zahlung wäre das Land innerhalb kurzer Zeit zahlungsunfähig. Am Montag schon könnten die europäischen Finanzminister Griechenland Entgegenkommen signalisieren, wenn sie dem Land zwei Jahre mehr Zeit zur Erreichung seiner Sparziele einräumen würden. Es würde ein wichtiges Zeichen an die Bürger des Landes sein, die vielfach sehr stark von den bisherigen Sparmaßnahmen getroffen worden seien. Verschärfend hinzu komme die problematische Konjunkturlage in dem Land, das sich seit Jahren in der Rezession befinde und sich auf Sicht nicht herauslösen werde.

Die Geldpolitik stehe heute im Fokus der Märkte. Die EZB werde heute Mittag verkünden, ob sie weiter an der Zinsschraube drehe und noch mehr billiges Geld in den Markt gebe. Da die positiven Effekte einer solchen Operation aber zu diesem Zeitpunkt zweifelhaft seien, werde sich die EZB wahrscheinlich bedeckt halten und keine Maßnahmen in diese Richtung verkünden. Gestern seien jedoch einige Punkte von Mario Draghi angesprochen worden, die aus deutscher Sicht besondere Beachtung verdienen würden.

Die EZB habe festgestellt, dass die Investoren nach Europa und Südeuropa zurückkehren würden. Die Analysten hätten diesen Umstand bereits erwähnt (gesunkene Target 2-Salden der Bundesbank) und würden dies als positiven Effekt aus den Reformen und gesunkenen Risikoaufschlägen auf die Anleihen der Peripherieländer sehen. Der Weg in die richtige Richtung sei beschritten, aber noch ein langer Weg, so Draghi.

Problematisch in diesem Zusammenhang seien die Anzeichen, dass die Konjunktur in Deutschland anfange zu schwächeln und sich auszubreiten drohe. Draghi habe das Anleihekaufprogramm der EZB verteidigt, in dem kurzlaufende Bonds der Reformländer gekauft werden könnten, sofern sich die begünstigten Länder dem Sparprogramm des Rettungsschirms ESM unterwerfen würden.

Die Angst der Bundesbank bestehr vor allem darin, dass die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik verschwimmen und keine weiteren Reformen umgesetzt würden, wenn sich die Renditeniveaus in einem tragbaren Niveau einpendeln würden. Die EZB habe verkündet, dass man kein spezielles Renditeniveau anstrebe, aber bereit sei gegebenenfalls Anleihen in unbegrenztem Umfang zu erwerben. Ein weiterer Kritikpunkt sei die Idee der gemeinsamen Einlagensicherung, in der deutsche Sparer für ausländische Banken haften müssten. Draghi habe durchblicken lassen, dass er nicht um jeden Preis eine gemeinsame Einlagensicherung installieren möchte (Pooling von Einlagensicherungssystemen). Hier signalisiere er dem Bundesbankpräsidenten Weidmann ein Entgegenkommen, der dieses "Pooling" strikt ablehne.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR/USD favorisiert. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite von 1,2580 bis 1,2900 eröffne neue Opportunitäten. (08.11.2012/ac/a/m)





 
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