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So, 20. September 2020, 10:56 Uhr

Nordex (alt)

WKN: 587357 / ISIN: DE0005873574

Nordex nicht kaufen


18.07.03 16:20
Bluebull

Die Experten von "Bluebull" sind in ihrem aktuellen Börsenbrief "BLUeu" der Ansicht, dass trotz einer scheinbar günstigen Bewertung, nicht zu einem Investment bei der Aktie von Nordex geraten werden kann.

Der steigende Exportanteil von Nordex (44%) zeige, dass sich der Wind, nach einem nicht ganz so gut verlaufenem Jahr 2002, gedreht habe. Wachstum könne derzeit nur im Ausland erzielt werden. Außer in Spanien, wo der Markt "derzeit schon halb gesättigt" sei (2.200 Volllaststunden Wind bei den freien Flächen; in den 90er seien es noch mehr als 2.600 gewesen), seien quasi alle Nordex-Absatzmärkte noch "weit entfernt on der Sättigungsgrenze". Das heiße, anders als in Deutschland gebe es noch Standorte, die viel Wind liefern würden und noch nicht erschlossen seien oder aus Umweltgründen tabu seien. Zu erwähnen sei hier sicherlich noch Dänemark, wo die Windenergie ähnlich exzessiv wie in Deutschland vorangetrieben worden sei. Auch die dänischen Konkurrenten würden, wie die letzten Quartalszahlen zeigen würden, tiefer in die roten Zahlen rutschen.

Auch in Deutschland sei die Standortqualität rückläufig. Hinzu drohe die politische Unterstützung zu schwinden - insbesondere die Förderung von ineffizienten Anlagen werde wohl in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören. Nach einem 22%igen Rückgang im ersten Quartal sei es Nordex-Sprecher Peters zufolge im zweiten Quartal im deutschen Absatzmarkt für die Gesamtbranche "fast noch schlimmer" gewesen. Dennoch habe Nordex zuletzt mehrere kleinere Projekte in Deutschland abschließen können (die nicht per Pressemitteilung mitgeteilt worden seien), habe der Sprecher den Experten gesagt.

Doch Nordex spüre wieder eine erste Brise. Nach dem extremen Einbruch des Geschäftes "löse sich nun die Blockade auf". Nachdem das neue Finanzierungskonzept und ein neuer Vorstand vorgestellt worden seien, hätten Kunden wieder Vertrauen in die Überlebensfähigkeit der Firma. "Durch die verfügbaren Linien sind wir in der Lage, unser Geschäft über das laufende Fiskaljahr hinaus zu finanzieren," so Thomas Richterich, Finanzvorstand der Nordex AG. Wobei diese Aussage weniger vertrauenserweckend sei, als sie sich auf den ersten Blick anhöre. Positive Margen erwarte man erst wieder im Geschäftsjahr 04/05. Nachdem auf dem deutschen Festland - außer dem Service-Geschäft - nicht mehr viel für Nordex zu holen sei, hoffe man auf einen Aufwind durch das Offshore-Geschäft.

Von den starken Wind-Verhältnissen über dem Meer verspreche sich Nordex bis zu 40 Prozent mehr Energieertrag. Gehofft werde auf einem großen Aufschwung ab 2006. Doch bis dahin werde Nordex noch weiter schrumpfen bzw. Kosten einsparen müssen. Neben günstigeren Lieferantenvereinbarungen prüfe man derzeit, ob ein weiter Personalabbau notwendig werde. Betrachte man sich die Marktkapitalisierung der Firma, würden sich jedoch nicht alle Anleger sicher zu sein scheinen, ob es die Firma dann noch geben werde. Die liquiden Mittel würden rasch sinken. Für das laufende Geschäftsjahr erwarte das Unternehmen einen operativen Verlust von 40 bis 45 Mio. Euro.

Im aktuellen Fiskaljahr plane die Gesellschaft 300 bis 350 Mio. Euro Umsatz. Das sei wenig gegenüber den ursprünglichen Planungen, aber viel, wenn man sich vor Augen halte, dass im ersten Quartal nur 61 Mio. Euro erzielt worden seien. Ob sich die Blockade so nachhaltig löse, dass diese Zahlen erreicht werden könnten, sei eher fraglich. Nordex sei bei einem Kurs von 1,1 Euro mit 57,2 Mio. Euro bewertet. Die finanzielle Situation habe schon zum 31.03. nicht sehr vertrauenserweckend ausgesehen. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten hätten sich auf 181 Mio. Euro belaufen. Dem gegenüber würden unter anderem Vorräte von 68 Mio. Euro (deren Werthaltigkeit in einer allgemeinen Abschwungphase zu hinterfragen sei), nur noch 16 Mio. liquide Mittel und Forderungen und "künftige Forderungen aus Fertigungsaufträgen" von 137 Mio. Euro stehen.

Es sei kein Geheimnis, dass die Branchenkrise in Deutschland derzeit vor allem auch Windkraftbetreiber und Nordex-Kunden zu spüren bekommen würden - Pleiten in der Branche seien nicht unwahrscheinlich und könnten auch Nordex zusätzlich belasten. So hoch diese Position sei, so unsicher sei deren komplette Einbringlichkeit. Nordex scheine zumindest kurzfristig finanziell nicht gefährdet. Auch scheine die Situation spät, aber klar erkannt - Gegenmaßnahmen seien eingeleitet worden. Trotz jüngster Erfolge, die Hoffnung machen würden, sei jedoch davon auszugehen, dass weiterhin Negativschlagzeilen die Branche dominieren würden. Nordex habe es zuletzt nicht einmal geschafft, jede Anlage kostendeckend zu verkaufen - trotz des massiven Umsatzeinbruchs.

Hinzu komme die große Herausforderung eines riesigen Unternehmens (in 18 Ländern vertreten), welches schnellstens auf ein gesundes und weiterhin handlungsfähiges Maß zurückgefahren werden müsse." Zu einem Investment könne trotz der scheinbar günstigen Bewertung derzeit nicht geraten werden. Nordex sei in ein Luftloch gefallen. Das erleichterte Lächeln und die Entspannung nach dem Schrecken der Passagiere bzw. Aktionäre sei am Aktienkurs abzulesen - eine schöne Bodenbildung mache Hoffnung auf einen Weiterflug nach oben. Doch nicht nur fehlender Wind bzw. Marktsättigung seien daran schuld gewesen, der Absturz sei auch hausgemacht gewesen.

Von einem Investment bei der Nordex-Aktie raten die Experten von "Bluebull" derzeit ab.





 
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