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Do, 1. Oktober 2020, 0:33 Uhr

Finanzkrise bietet Chancen


03.12.08 10:50
Sparkasse Essen

Essen (aktiencheck.de AG) - Der Oktober machte seinen Ruf als schlechter Börsenmonat wieder alle Ehre, so die Analysten der Sparkasse Essen.

Die Finanzmarktkrise sowie negative Unternehmensnachrichten hätten zu regelrechten Verkaufswellen und weltweit stark fallenden Aktienkursen geführt. Im Zeitraum vom 30. September bis zum Jahrestief am 24. Oktober 2008 habe allein der Deutsche Aktienindex DAX 30% an Kurswert verloren, seit Jahresanfang sogar 50%. Deutschland befinde sich seit dem dritten Quartal in der sechsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Dennoch: Die Probleme seien erkannt, Notenbanken und Regierungen würden weltweit an einem Strang ziehen. Besonnenes Handeln sei jetzt gefragt, denn auch dieser Herbststurm ziehe vorüber. Anleger mit einem mehrjährigen Anlagehorizont könnten jetzt sogar gute Kaufgelegenheiten ausnutzen.

In der Vergangenheit seien globale Rezessionen oft durch eine geringe Korrelation der Wachstumsraten einzelner Länder oder Regionen geprägt gewesen. Dieses Mal zeige sich jedoch ein synchroner Abschwung aller bedeutenden Industrie- und Schwellenländer. Deutschland werde als exportabhängige Wirtschaft davon besonders empfindlich getroffen. Die Analysten würden für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um ein Prozent erwarten. Die Absatzeinbrüche in der Automobilindustrie würden einen ersten Eindruck davon geben. Letztlich werde die Rezession aber alle Branchen erreichen.

Daneben sei es auch bei unterschiedlichen Vermögensklassen wie Aktien, Immobilienaktien, Kapitalanlagen in Schwellenländern und Rohstoffen zu einem Gleichlauf in der Wertentwicklung gekommen. Als Ergebnis dieser Prozesse habe in diesem Jahr selbst eine umfassende Vermögensstreuung keinen positiven Mehrwert generieren können.

Den Ausgangspunkt für die gegenwärtige Krise habe der amerikanische Traum vom Eigenheim auf Pump gebildet. Eine Ära extrem niedriger Zinsen und das blinde Vertrauen in unaufhörlich ansteigende Immobilienpreise hätten in den USA zuerst für einen Kreditrausch, dann für ein Platzen der Immobilienpreisblase und letztlich für eine weltweite Katerstimmung gesorgt.

Doch erst die Erfindung der Verbriefung habe daraus ein globales Problem gemacht. Hypothekenkredite und weitere Forderungen seien als sog. strukturierte Wertpapiere verpackt und weltweit an Investoren und Banken weitergereicht worden.

Entgegen der landläufigen Meinung seien aber nicht alle strukturierten Geldanlagen gänzlich wertlos geworden. Mangels Börsenhandel würden sie sich nur nicht mehr zu Geld machen bzw. in der Bilanz bewerten lassen. Insofern handle es sich in erster Linie um eine Liquiditäts- und Vertrauenskrise. Staatsgarantien für Geldanlagen sollten nun das Vertrauen in das Finanzsystem wiederherstellen, der Aufkauf illiquider Papiere und Eigenkapitalzufuhr die Bankbilanzen stärken. Für Deutschland stehe ein 500 Mrd. Euro starkes Maßnahmenpaket der Bundesregierung zur Stabilisierung der Finanzmärkte bereit, die weltweiten Rettungspakete würden ein geschätztes Volumen von 3.000 Mrd. US-Dollar erreichen. Damit sollte die Krise beherrschbar bleiben und eine weltweite Depression vermieden werden.

Es gebe einige entscheidende Unterschiede im Vergleich zur Weltwirtschaftskrise: In den 30er Jahren hätten Politiker die Finanzkrise mit Protektionismus und übertriebenen Sparbemühungen bekämpft und so die Weltwirtschaft ruiniert. Daneben gebe es heute keinen Goldstandard zur Währungsdeckung mehr. Die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt, die US-FED und die EZB, könnten die Finanzmärkte somit theoretisch unbegrenzt mit Liquidität in US-Dollar und Euro fluten, um die Zahlungsfähigkeit des Finanzsystems sicherzustellen.

Zudem würden anders als in Japan der 90er Jahre die Probleme entschlossener angegangen: Die Regierungen würden ihre Finanzinstitute zügiger von problematischen Kreditportfolios befreien und die Notenbanken mit massiven Leitzinssenkungen die Konjunktur stützen. Die Analysten der Sparkasse Essen rechnen daher in Japan und den USA mit einer Nullzinspolitik und in der Eurozone mit einem Leitzinsniveau von 2% im Laufe des 1. Halbjahres 2009.

Viele Aktien seien mittlerweile vordergründig so günstig wie seit 30 Jahren nicht mehr bewertet, würden hohe Dividendenrenditen besitzen und auf einem Zerschlagungsniveau unterhalb ihrer Buchwerte notieren. Dieses spiegle nach den Schätzungen der Analysten bereits deutliche Gewinnrevisionen des Gesamtmarktes in Höhe von ca. 40% wider. Andererseits könne eine schwere Rezession durchaus zu kurzfristig höheren Abschlägen führen. Derzeit deute die extrem hohe Schwankungsbreite aber auf einen regelrechten Ausverkauf an den Weltbörsen hin. Offensichtlich hätten viele kreditfinanzierte Investoren wie z. B. Hedgefonds ihre Positionen schlagartig liquidieren müssen. Dieses eröffne dann im Gegenzug immer wieder Raum für Schnäppchenjäger.

Zudem hätten sich viele Belastungsfaktoren wie der hohe Ölpreis oder der schwache US-Dollar bereits relativiert. So reduziere der mehr als halbierte Ölpreis die weltweite Ölrechnung um 2.500 Mrd. US-Dollar. Die hohe Unsicherheit werde Anleger allerdings noch eine Weile begleiten und Nervenstärke und Durchhaltevermögen erfordern. Als problematisch würden die Analysten insbesondere ansehen, dass viele Unternehmen aus dem DAX inzwischen keine Prognosen mehr für 2009 abgeben würden. Insofern seien alle herumgereichten Gewinn- und Konsensschätzungen derzeit mit äußerster Vorsicht zu betrachten.

Letztlich würden die Börsenkurse bereits eine schwere Rezession vorwegnehmen. Die Erfahrung lehre aber, dass Börsenkurse auch wieder schneller als die Konjunktur zulegen würden. Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank, sehe hier für Ende 2009 ein Licht am Ende des Tunnels. Börsen-Legende Warren Buffett rate sogar bereits jetzt zum Einstieg: "Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und gierig, wenn andere Angst haben. Er wisse zwar nicht, wo die Märkte in drei oder zwölf Wochen stehen. Doch wenn er heute kaufe und fünf Jahre warte, mache er mit großer Wahrscheinlichkeit ein Bombengeschäft", so Buffett.

Eine Bodenbildung sei an den Aktienmärkten bislang noch nicht erfolgt. Die Bewertungen der Aktien würden optisch günstig erscheinen, seien aber nicht belastbar. Die Analysten der Sparkasse Essen rechnen mit einer hohen Unsicherheit bis in das Jahr 2009 hinein. Die Finanzmarktkrise bewirke mehrere Einschnitte. Auf globaler Ebene sei die Vorherrschaft der USA in Finanzfragen erstmals infrage gestellt worden. Die Ära der großen US-Investmentbanken sei vorbei und eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte werde folgen. Auf den neuen US-Präsidenten und Hoffnungsträger Obama würden letztlich gewaltige Aufräumarbeiten warten.

Dennoch bringe jede neue Epoche auch neue Anlage-Chancen für Kapitalanleger mit sich. Anleger sollten deshalb die Aktienanlage nicht aus dem Fokus verlieren, sondern die ermäßigten Kurse zum schrittweisen Einstieg nutzen. Investmentfonds würden Steuervorteile bei einem Kauf noch in 2008 bieten.

Als renditestarke Alternative zu Geldmarktprodukten würden die Analysten eine Beimischung auch längerer Laufzeiten empfehlen. Insbesondere Unternehmensanleihen würden Zinsaufschläge erzielen, die es so seit Jahrzehnten nicht gegeben habe. Selbst renommierte Adressen wie E.ON, Linde oder Deutsche Telekom würden Renditen oberhalb 5% bieten.

Eine umfassende Anlagestreuung mit aktivem Vermögensmanagement würden Anleger mit DekaStruktur und dem S Dynamik Depot erhalten. Wer hier nach dem Kursabschwung der Jahre 2000 bis 2003 eingestiegen sei, habe in den folgenden fünf Jahren je nach Depottyp überdurchschnittliche Renditen zwischen 5% und 13% p.a. verdienen können. Ein optimierter, sukzessiver Einstieg über fünf Jahre in die Kapitalmärkte gelinge mit Deka-ZielStruktur. (03.12.2008/ac/a/m)