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Mo, 10. August 2020, 11:21 Uhr

Euro eröffnete bei 1,3055


06.12.12 11:41
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnet heute (07:54 Uhr) bei 1,3055, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im asiatischen Handel bei 1,3046 markiert wurden.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 82,45. In der Folge notiere EUR/JPY bei 107,65, während EUR/CHF bei 1,2105 oszilliere.

Man müsse sich schon wundern, wenn man die Gegebenheiten der letzten Wochen mal Revue passieren lasse. Die Attacken gegen den Euro hätten durch die Ankündigung der EZB, zur Not Staatsanleihen der Krisenstaaten zu kaufen, wirksam eingedämmt werden können. Die späteren Anleiheauktionen seien positiv verlaufen, die Risikoaufschläge der Kreditausfallversicherungen hätten sich auf akzeptablen Levels eingependelt. Die Nervosität an den Märkten sei drastisch gesunken. Risikoaktiva sei wieder gesucht worden. Investoren würden neuen Mut fassen.

Die Situation rund um die Eurozone habe sich in den vergangenen Wochen summa summarum merklich entspannt. Die Situation um den Brandherd Griechenland sei unter großen politischen Kraftanstrengungen (vorerst) beordnet worden. Das Rückkaufprogramm Griechenlands habe positiv überrascht. Einige Reformländer wie z.B. Irland und Italien hätten in den vergangenen Tagen neue Erfolgsmeldungen geliefert. Die Reformen, die man in den letzten Monaten gesehen habe, seien historisch einmalig und laut EU-Kommission sei der Wendepunkt in der Eurokrise bereits erreicht. Die Wettbewerbsfähigkeit werde erfolgreich wieder hergestellt.

Die Entwicklung u. a. der Zahlen der Lohnstückkosten und Haushaltsdefizite spreche eine deutliche Sprache und sollte vor dem Hintergrund der Neuausrichtung der Reformländer honoriert werden.

Das Defizit für die Eurozone solle für das Jahr 2012 bei 3,0% und 2013 bei 2,5% liegen. Großbritannien dagegen verfehle sein Sparziel, werde im Haushaltsjahr 2012/2013 6,9% neues Defizit aufbauen. Von Japan und den USA möchte man an dieser Stelle gar nicht erst anfangen, denn hier lägen die Defizite weit über der Eurozone. Und das obwohl in diesen Ländern keine Reformen umgesetzt würden.

Als es in Europa gebrannt habe, sei die Feuerwehr in Form der EZB gekommen. Jetzt werde ein Politikwechsel eingeleitet - weg vom schnellen Brandlöschen hin zum Aufbau neuer tragfähiger Strukturen. Die Architekten würden gerade an einer belastbaren Lösung für die Zukunft der Eurozone feilen. Nachdem die Eurokrise gerade mühevoll bereinigt werde und sich die Konstruktion der Eurozone als fehlerbehaftet herausgestellt habe, möchte man bei den neuen Strukturen nicht Getriebener des Marktes sein, sondern ein tragfähiges Gerüst erschaffen.

Die Meinungen in der Politik über eine Bankenunion lägen zurzeit (noch) weit auseinander. Man lobe aber die konstruktive Form der Gespräche beider Seiten und werde zu gegebener Zeit eine tragbare Lösung finden. Europa werde von Standard and Poor's (S&P) für vermeintlich zu wenig Geschwindigkeit bei der Umsetzung fundamental wichtiger Meilensteine kritisiert.

Der nach Meinung der Analysten seriöse Umgang mit einem kranken Patienten werde unverständlicher Weise von S&P als nachlassender Reformeifer ausgelegt. Sie seien irritiert über diese Aussagen. Schließlich seien hier Lernkurven in der Politik sichtbar und positiv einzuwerten, denn Fehler der Vergangenheit sollten sich nicht wiederholen.

Ebenfalls nicht nachvollziehen könnten die Analysten die Kritik an dem Anleihekaufprogramm. Alleine die Ankündigung der EZB, mit ihrer unbegrenzten Feuerkraft Anleihen zu kaufen, habe ausgereicht, um den Markt zu beruhigen. Ein Armdrücken mit diesem Gegenspieler traue sich niemand zu. Warum sollte die EZB zu diesem Zeitpunkt Anleihen kaufen, obwohl die letzten Auktionen positiv verlaufen seien und die Länder ihre Refinanzierungen für 2012 bereits abgeschlossen hätten und sich bereits Geld für 2013 leihen würden, da das Umfeld gerade günstig sei.

Die Analysten stünden der Meinung diametral gegenüber und würden finden, dass die aktuelle Situation wenig mit "Hängematte" zu tun habe, sondern vielmehr eine überfällige Beruhigung der nervösen Lage der letzten Monate darstelle.

Die vom Institut Markit befragten Einkaufsmanager würden ebenfalls die Lage entspannter sehen. Die gestern gemeldeten Zahlen für den November seien positiv ausgefallen - die Flash Schätzungen seien überboten worden. Interessanter Weise lägen die Werte für die Eurozone (46,7) und Deutschland (49,7) immer noch unter Großbritannien 50,2, obwohl es dort bereits eine solide Rezession gebe. Oder seien die Einkaufsmanager von der Insel einfach optimistischer?

Die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone seien per September um 1,2% gefallen. Auch im Vormonat seien die Umsätze um -0,6% (revidiert von -0,2) gefallen. Besonders in Deutschland hätten sich die Käufer im September wenig in Kauflaune gezeigt (-2,8). Positiv hätten die Zahlen aus Frankreich überrascht, wo die Umsätze gewachsen seien (+0,4). Die Ausgaben seien maßgeblich mit der Arbeitsmarktsituation in den Euro-Ländern verknüpft, die sich seit 2011 von unter 10% auf inzwischen 11,7% erhöht habe.

Der ADP-Arbeitsmarktbericht für die privat Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft sei im November um 118.000 gestiegen und damit unterhalb der Erwartungen (125.000) geblieben. Im Vormonat habe der Wert noch bei 158.000 gelegen.

Überraschend sei der ISM-Index für den Teilbereich außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes auf 54,7 nach 54,2 zuvor gestiegen. Damit sei der Index in den letzten fünf Monaten vier Mal gestiegen. Die Teilbereiche Neubestellungen (58,1 nach 54,8) und Geschäftstätigkeit (61,2 nach 55,4) seien besonders ausgeprägt gewesen. Übereinstimmend mit den ADP-Zahlen sei der Wert für die Beschäftigung mit 50,3 schwächer ausgefallen als zuletzt mit 54,9.

Die Auftragseingänge der Industrie seien im Oktober überraschend positiv ausgefallen. Ihr Wert sei mit +0,8% für den Oktober festgestellt worden. Experten hätten einen gleich bleibenden Auftragseingang erwartet. Der Vormonat sei auf 4,5% nach 4,8% revidiert worden, was jedoch immer noch den stärksten Zuwachs seit März 2011 darstelle.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiere. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1,2820/50 neutralisiere das positive Bias. (06.12.2012/ac/a/m)