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Mo, 14. Oktober 2019, 12:24 Uhr

Euro eröffnete bei 1,2760


16.11.12 11:28
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnet heute (07:53 Uhr) bei 1,2760, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im europäischen Handel bei 1,2733 markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 81,00. In der Folge notiere EUR/JPY bei 103,35, während EUR/CHF bei 1,2042 oszilliere.

Die Eurokrise bleibe weiter virulent. Man habe die Bilder aus Madrid und Lissabon vor Augen, wo tausende Bürger gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen protestiert hätten und es vereinzelt wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen sei. Die Eurorettung könne trotz aller geld- und fiskalpolitischen Anstrengungen nur erfolgreich verlaufen, wenn die Bevölkerungen der betroffenen Länder die angestrebten Reformen auf sich nehmen und weiter bereit bleiben würden, Opfer zu bringen.

Aufgrund der ökonomischen Relevanz, die Aussagen von Politikern in dieser brisanten Zeit haben, freuen wir uns über die letzten Nachrichten, die uns zum Thema Europa erreicht haben, so die Analysten der Bremer Landesbank. Finanzminister Schäuble habe sich beim Führungstreffen Wirtschaft der "Süddeutschen Zeitung" zur Eurokrise geäußert. Dabei habe er mit seinen Äußerungen die wesentlichen Punkte nach Meinung der Analysten sehr genau getroffen.

"Wir müssen neue Formen der Regelsetzung in der globalisierten Welt setzen". Wie die Analysten vor einiger Zeit in ihrem Report schon beschrieben hätten, würden sie in der bestehenden Regelsetzung ein nicht mehr zeitgemäßes Korsett für ein integriertes Europa und schon gar nicht für den globalen Wettbewerb sehen, in dem Europa in Wettbewerb zu den anderen großen Wirtschaftsräumen stehe.

Gerade auch die fehlende Flexibilität bei den Instrumenten zur Bekämpfung der Krise erweise sich immer wieder als große Bremse. Das bisherige Vorgehen der Politik habe Schäuble als "Durchwursteln" bezeichnet. Genau hier liege ein Kernproblem der Eurokrise. Die Strukturreformen würden Zeit, Geld und Konjunktur kosten. Nur durch sie sei es aber möglich, Schritt für Schritt flankiert durch umsichtige EZB-Politik die Schuldenprobleme dauerhaft in den Griff zu bekommen.

Durch unrealistische Erwartungshaltungen gegenüber den Reformländern habe sich in den vergangenen Monaten im Vorfeld häufig eine Erwartungsblase aufgebaut, die dann in Enttäuschungen und Vertrauensverlust in die Eurozone umgeschlagen sei. Und das, obwohl nachweislich historisch einmalige Reformerfolge in Europa hätten umgesetzt werden können. Durch dieses "Durchwursteln" sei jegliche Investitionstätigkeit in den Reformländern abgewürgt worden, was in der Folge dramatische Konjunktureinbrüche nach sich gezogen habe.

Immer neue Sparrunden seien verabschiedet worden, ohne dass die Wettbewerbskraft ausreichend gestärkt worden sei. Auch niedrigste Zinsen hätten die Investoren nicht gereizt, in Länder zu investieren, deren Zugehörigkeit zum Euro infrage gestanden habe. Banken würden sich durch zunehmende Kapitalregeln risikoavers zeigen und Kreditvergaben scheuen. Nur die flexibel agierende EZB mit ihrer Ankündigung, zur Not unbegrenzt Staatsanleihen zu erwerben, habe die Situation entspannen können.

Gerade Griechenland sei in den vergangenen Monaten alle paar Wochen wie die berühmte Sau durch die Presse getrieben worden. Zuletzt sei die Schuldenquote des Landes im Jahr 2020 der Zankapfel zwischen Eurogruppe und IWF gewesen. Die Sinnhaftigkeit solcher Acht-Jahres-Prognosen sei nicht nur mehr als zweifelhaft sondern ökonomisch schlicht unsinnig, wie die Vergangenheit gelehrt habe. Lernkurven dagegen gebe es auf deutscher Seite. Nachdem die deutsche Regierung im Ausland nicht selten zum Hassobjekt stilisiert worden sei, lehne Schäuble die Oberlehrerrolle Deutschlands ab.

Man gebe einander nicht Zensuren, sondern arbeite daran, zusammen als Motor Europa mit den Partnern voranzukommen. Genau diese Thematik würden die Analysten regelmäßig behandeln und würden nicht müde, auf die Zusammenhänge hinzuweisen. Deutschlands Exporte würden mehrheitlich nach Europa bzw. die Eurozone gehen. Die Mehrheit der deutschen Arbeitsplätze sei mit dem Export verbunden. Ohne ein starkes Europa gehe es Deutschland schon bald nicht mehr so gut wie jetzt. Deutschland habe in der Vergangenheit überproportional von den Konjunkturprogrammen in den anderen Ländern profitiert. Es müsse daher das oberste Ziel sein, die Eurokrise beizulegen und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Hierzu könne Frankreich ebenfalls seinen Teil beitragen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone habe wirtschaftliche Probleme und dringenden Reformbedarf, wenn es seine ambitionierten Ziele bei Neu- und Gesamtverschuldung erreichen möchte. Der Ministerpräsident Ayrault bemühe sich für die Reformwillen des Landes zu werben. "Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, damit wir das Ziel erreichen, Wachstum zu bekommen"

Frankreich möchte aus der Krise herauswachsen. Die Analysten seien skeptisch, ob der französische Weg in dieser Form geeignet sei, die Strukturprobleme zu lösen. Positiv würden sie bewerten, dass sich das Land bewege, ohne direkt am Pranger zu stehen. Andere Länder hätten in der Vergangenheit den ultimativen Druck gebraucht, bevor man überhaupt bereit gewesen sei, über schmerzhafte Reformen zu sprechen.

"Niemand kann sich abkoppeln." Die Eurozone sei eine Schicksalsgemeinschaft, die es verdiene, gegen aggressive Spekulation und unfundierte Gerüchte mit allen Mitteln verteidigt zu werden. Der Fokus in der nächsten Woche liege auf dem Finanzministertreffen am Dienstag, auf dem Lösungen gebraucht würden, die Griechenland ein Stück weit helfen würden.

Die Konjunkturzahlen gestern seien pro Euro geprägt gewesen. Die Zahlen aus den USA seien durch höhere Gewalt "verhagelt" worden.

Die Schätzung des BIP in Q3 für die Eurozone sei mit -0,1% etwas besser als erwartet. Experten seien im Vorfeld von -0,2% ausgegangen. Damit wäre die Eurozone technisch in der Rezession angekommen, da das BIP in Q2 mit -0,2% ebenfalls rückläufig gewesen sei. Am Vormittag seien bereits positive BIP-Daten aus Frankreich, Italien und Deutschland veröffentlicht worden, die allesamt die Erwartungen hätten toppen können und somit das aggregierte BIP leicht positiv hätten beeinflussen können. Für Deutschland und Frankreich seien jeweils +0,2% vermeldet worden. Noch vor kurzem sei mit rückläufigen Zahlen gerechnet worden. Italien habe mit -0,2/-2,4% ebenfalls oberhalb der Erwartungen -0,5/-2,9% gelegen, dennoch habe die Eurokrise hier eine tiefe Konjunkturdelle in den zurückliegenden Monaten hinterlassen.

Trotz der Rezession in der Eurozone liege die Inflation weiterhin über dem Zielwert der EZB. Der Wert sei per Berichtsmonat Oktober auf 2,5% nach 2,6% im September gefallen.

Wenig Überraschendes habe sich bei den US-Verbraucherpreisen für den Oktober ergeben. Der Preisanstieg zum Vormonat habe bei +0,1% gelegen, auf Jahresbasis sei der Wert von 2,0% auf 2,2% gestiegen.

Die Arbeitslosen-Erstanträge für die vergangene Woche seien von 355.000 auf 439.000 hochgeschnellt. Dies stelle den größten Anstieg an Erstanträgen seit dem großen Hurrikan Katrina 2005 dar. Der Wert sei allerdings stark durch den Hurrikan Sandy beeinflusst und daher nicht extrapolierbar.

Der NY FED manufacturing-Index bleibe in der Negativzone. Der Novemberwert mit -5,2 sei nunmehr der vierte Monat in Folge, wo der Wert unterhalb der Nullschwelle fixiert worden sei, die die Grenze zu Wirtschaftsaufschwung darstelle.

Der Hurrikan habe auch Spuren beim Phily-FED-Index hinterlassen. Der Wert sei im positiven Bereich erwartet worden, sei aber mit -10,7 gekommen. Besonders wenig sei die wirtschaftliche Aktivität ausgeprägt gewesen, was nicht verwundere, da viele Orte für einige Tage ohne Strom hätten auskommen müssen. Der Markt habe auf diese Zahl regiert und die 1,2800 EUR/USD-Schwelle für einen kurzen Augenblick in Sichtweite gebracht, habe diese Hürde aber nicht erklimmen können.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR/USD favorisiere. Erst ein Ausbruch aus der Bandbreite 1,2580 bis 1,2900 eröffne neue Opportunitäten. (16.11.2012/ac/a/m)