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Do, 17. Oktober 2019, 2:04 Uhr

Entwicklungen in Eurozone ermutigend


31.10.12 11:11
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnete heute (08:08 Uhr) bei 1,2958 USD, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Höchstkurse im frühen europäischen Handel bei 1,2984 USD markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 79,65 In der Folge notiere EUR/JPY bei 103,22, während EUR/CHF bei 1,2084 oszilliere.

Japan gebe einmal mehr "Gas". Im Kampf gegen eine drohende Rezession habe die japanische Notenbank ihre Geldpolitik weiter gelockert. Ein Programm zum Ankauf von Anleihen werde um 107 Milliarden Euro auf 884 Milliarden Euro ausgeweitet. Die Zentralbank habe zudem beschlossen, Geschäftsbanken langfristig zu günstigen Konditionen mit Geld zu versorgen. Damit setze sich das akkomodierende Verhalten der großen Zentralbanken fort. Das sei die Kernbotschaft!

Fraglos gebe es in Japan sehr viele spezifische Aspekte, angefangen bei der Deflation, der Problematik der Energieversorgung, der Problematik der massiven Staatsverschuldung, der katastrophalen Demographie und dem Dissens mit China über unbewohnte Inseln, die der japanischen Konjunktur und Haushaltslage aktuell zyklisch zu schaffen machen würden. Vor diesem Hintergrund seien die jetzt getroffenen Maßnahmen verständlich. Sie seien jedoch keine Reformen, sie seien Kosmetik.

Eine derartige Politik begleitet mit Reformen nach dem Vorbild der Eurozone verspreche Erfolg, da Geschäftsmodelle und Potenzialwachstumsraten verändert würden. Es sei aber auch die Einschätzung "unserer Freunde", dass so eine Währung mit diesen Problemen eine der härtesten Währung der Welt sein sollte. Die aggressive Fehlbewertung des JPY müsse nivelliert werden, wenn Japan das Geschäftsmodell beleben wolle.

Die Entwicklungen der Eurozone seien ermutigend. Frankreich und Deutschland wollten Griechenland im Euro halten. Frau Dr. Merkel betone, ohne es explizit zu sagen, dass man zwischen konjunkturellen und strukturellen Defiziten unterscheiden müsse, solle und werde.

Italien erfreue sich günstiger Refinanzierungsbedingungen und habe das diesjährige Refinanzierungsprogramm zu 92% bewältigt. Portugal wolle nicht nur haushaltstechnisch weiter reformieren, sondern das Geschäftsmodell der Wirtschaft zukunftsfähiger gestalten. Das klinge durchgehend gut. Das Defizit der spanischen Zentralregierung werde dieses Jahr auf 4% fallen.

Insgesamt zeige sich, dass die in diesem Jahr veränderten Politikansätze der EZB und der politisch Verantwortlichen der Eurozone Früchte tragen würden. Die Früchte seien noch klein und bedürften nachhaltiger Pflege. Der Unterschied zu der Situation vor einem Jahr sei jedoch massiv.

Ja, dann habe man noch das Problem "London". Herr Schäuble weile in dem Vereinigten Königreich, in dem einige Politiker immer noch den viktorianischen Stil und das "Divide et Impera" pflegen würden, obwohl die Grundlagen dafür längst nicht mehr gegeben seien. Alles was man aus London höre, belege, dass man alle Vorteile wolle und Begrifflichkeiten wie Solidarität und Kompromiss Fremdworte seien.

Egoismus sei verständlich. Egozentrik passe nicht für die Eurozone und die EU. Extratouren, die den Briten genehmigt werden würden, wären immer auch gleichzeitig Ausdruck eines mangelnden Respekts gegenüber den anderen Ländern der Eurozone. Es sei an der Zeit Klartext zu reden und entsprechende Entscheidungen vorzubereiten. Das gelte um so mehr, als dass das britische Öl nicht mehr wie früher sprudle und sich der Ausblick für das UK eintrübe. Fakt sei, dass sich die Inseln jedes Jahr geographisch von Kontinentaleuropa entfernen würden. Habe das etwas zu bedeuten?

In Berlin hätten gestern die führenden Wirtschaftsinstitute, unter anderem der IWF, eine gemeinsame Tagung mit wichtigen Protagonisten der Politik abgehalten. Maßgeblich seien die Risiken für die Weltwirtschaft besprochen worden. Diese Risiken gebe es fraglos in erheblichem Umfang.

Neben dem "Fiscal Cliff" in den USA seien auch in den Schwellenländern Verwerfungen oder Probleme erkennbar. Der Umbau der chinesischen Wirtschaft in Richtung stärkerer Binnenkonjunktur beinhalte Risiken bezüglich des bisherigen Nachfrageclusters aus China für die Weltwirtschaft. Es eröffne aber auch Chancen des Exports von mehr Konsumgütern. Die hohe Arbeitslosigkeit in den kontinentaleuropäischen Reformländern sei ein kritisches Thema. Es gelte, die Mauer der Spekulation gegen die Reformländer zu durchbrechen, um diesen Ländern durch die Reformen und Anpassungen verdiente realwirtschaftliche Investitionen zukommen zu lassen, die Konjunktur und Arbeitsmarkt beleben.

Bei der Diskussion der Risiken sei nach Ansicht der Analysten das Chancencluster zu sehr ausgeblendet worden. Der primäre Katalysator der globalen konjunkturellen Dynamikverluste sei die europäische Defizitkrise gewesen, die systemische Risiken impliziert habe. Die Maßnahmen der EZB (OMT) und der europäischen Politik würden ein Scheitern mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr zulassen. Damit stelle sich die Frage, ob es Untersättigungseffekte im globalen Konjunkturzyklus aus dem globalen Verhalten der letzten neun Monate gebe? Das gelte vor allen Dingen für den Lagerzyklus als auch den Investitionsgüterzyklus. Bei einer abnehmenden Risikoaversion an den Finanzmärkten und in der Folge in der globalen Realwirtschaft dominiere in den Augen der Analysten positives Überraschungspotenzial getrieben von Aufholeffekten im Investitionsgüterzyklus als auch Lagerzyklus.

Die Meldungen, die man aus China höre, würden ermutigen und in Richtung einer konjunkturellen Belebung deuten. Der Stromverbrauch steige und die Gewinne der Industrie würden wieder eine positive Tendenz verzeichnen.

Der deutsche Arbeitsmarktbericht habe per Oktober weitgehend den Erwartungen entsprochen. Es sei in der saisonal bereinigten Fassung zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit um 20.000 gekommen. Die Quote habe sich auf unverändert 6,9% gestellt. In diesen Daten wirke die Defizitkrise nach, die per August/September ihren Höhepunkt erreicht habe. Die anschließende Entspannung könne in diesem Spätindikator nicht abgebildet sein. In den sieben Monaten sei es sukzessive zu einem leichten Trendwechsel am Arbeitsmarkt gekommen. Diese Entwicklung sei bisher nicht dramatisch, sie sei aber eindeutig korreliert mit der Zunahme der Defizitkrise der Eurozone.

Der Economic Sentiment Index der Eurozone sei per Oktober von zuvor 85,2 (revidiert von 85,0) auf 84,5 Punkte (Prognose 84,0) gesunken. Damit sei es zum siebten Rückgang in Folge gekommen. Der Index habe den tiefsten Stand seit drei Jahren markiert. Auch dieser Index sei ein Appell an die Politik der Eurozone, die durch unangemessene Spekulation gegen die Reformländer gegebene Paralyse der Investitionstätigkeit zu durchbrechen.

Der US-amerikanische Case/Shiller Home Price Index habe per August im Monatsvergleich in der saisonal bereinigten Fassung einen Anstieg um 0,5% (Prognose 0,5%) nach +0,3% im Vormonat (revidiert von 0,4%) verzeichnet. Im Jahresvergleich habe sich die Zunahme auf 2,0% nach zuvor 1,2% gestellt. Es gebe Anzeichen einer Trendwende. Sie finde auf sehr niedrigem Niveau statt und sei schlussendlich Ausdruck der staatlichen Intervention. Sie habe nicht mit den von Adam Smith thematisierten Kräften des Markts zu tun.

Da komme gerade eine Meldung, die nicht vorenthalten werden dürfe: "Griechischer Haushalt soll 2013 Primärüberschuss ausweisen Athen, 31. Okt (Reuters) - Die griechische Regierung will 2013 erstmals seit mehr als zehn Jahren einen Haushaltsüberschuss ausweisen. Der so genannte Primärhaushalt - bei dem die Kosten für den Schuldendienst ausgeklammert werden - soll ein Plus von 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes haben, sagte ein Regierungsvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Der Überschuss wäre damit aber kleiner als bislang mit 1,1 Prozent angestrebt. In diesem Jahr soll es noch ein Defizit von 1,5 Prozent gegeben. Einen Überschuss im Primärhaushalt gab es zuletzt 2002."

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiere. Erst ein nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1,2780 bis 1,2810 neutralisiere das positive Bias des Euros. (31.10.2012/ac/a/m)