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Di, 16. Juli 2019, 22:25 Uhr

Devisenmarkt: Risikoaversion nimmt vor Griechenland-Entscheidung und US-Wahlen zu


05.11.12 11:38
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnet heute (07.55 Uhr) bei 1,2838 USD, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Höchstkurse im europäischen Handel bei 1,2929 am Freitag markiert wurden, berichten die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 80,38. In der Folge notiere EUR/JPY bei 103,18, während EUR/CHF bei 1,2075 oszilliere.

Das Thema Griechenland sei weiterhin Dauerbrenner für die Aufrechterhaltung der Risikoaversion an den Finanzmärkten. Die Analysten würden grundsätzlich davon ausgehen, dass Griechenland in der Eurozone verbleiben werde. Sie würden davon ausgehen, dass das griechische Parlament liefern werde.

Die Analysten würden hoffen, dass die europäische Politik begreife, dass der bisherige Umgang mit Griechenland das konjunkturelle Problem massiv verschärft habe. Ergo gelte es, eine andere Form der griechischen "Betreuung" auf die Beine zu stellen. Was nutze ein strukturell saniertes Griechenland, wenn das Herz der Ökonomie so ramponiert sei, dass es die strukturellen Veränderungen nicht mehr in eine fiskalische Transmission bringe?

Neue Wege seien zu beschreiten. Die Analysten würden für die Regionen Athen und Thessaloniki zwei Sonderwirtschaftszonen mit EU-Genehmigung empfehlen, in denen die griechische Administration zu 100% ausgehebelt werde. "Caretaker" würden in dieser Region für potenzielle Investoren sorgen. Alle relevanten Unterschriften für Investitionen seien bei voller Rechtssicherheit innerhalb von zwei Monaten zu liefern (verkürzte Administration). Für einen Investitionszyklus (15 Jahre) würden die Steuersätze auf 50% des aktuellen Satzes gesenkt. Das Problem Griechenlands liege nicht auf den Inseln. Es liege in den beiden Hauptmetropolen Athen (5 Mio. von 10 Mio. Griechen würden im Umfeld leben) und Thessaloniki. Es gelte die Wirtschaftsparalyse durch exogene Einflüsse zu brechen.

Der andere Aspekt, der für Unsicherheit sorge, sei die US-Präsidentschaftswahl. Offensichtlich werde eine mögliche Wahl Romneys als Risiko für die nationale, aber auch globale Wirtschaft interpretiert. Hintergründe seien Romneys aggressive Haltungen zu Russland und China. Die Analysten seien erstaunt, wie wenig Romney über das Verhalten der USA bezüglich der latenten Forderungen freier Märkte und Zugänge und der eigenen Inkonsequenz in diesen Fragen und Staatsverbrechen der USA der letzten zwölf Jahre (Angriffskriege, Folter, Lügen in der UNO), die nicht geahndet würden, da sich die USA nicht internationaler Gerichtsbarkeit unterwerfen würden, räsoniere und sich frage, ob nicht Dritte ein Recht hätten, martialische Töne gegen die USA anzustimmen.

Der zweite Aspekt betreffe das Thema "Fiscal Cliff". Was Romney hier zu bieten habe, sei mehr als kritisch einzuwerten. Romney weigere sich, die temporären Steuervorteile, die die Bush-Administration gewährt habe, zurückzunehmen. Darüber hinaus wolle er die Unternehmenssteuern von 35% auf 25% senken.

Was den Anteil der Einkommensteuer an der Gesamtwirtschaftsentwicklung anbetreffe, sei es, als der Satz bei 10% gestanden habe (2000), zu einem ausgeglichenen Staatshaushalt in den USA gekommen. Man liege jetzt im Bereich der Tiefpunkte bei circa 6% und habe Defizite zwischen 8% und 9% des BIP. An dieser Stelle zur Lösung der Haushaltsdefizite auf die Beibehaltung der temporären Steuersenkungen für Spitzenverdiener zu setzen, sei eine Beleidigung unterdurchschnittlicher Intelligenz. Die Analysten seien erstaunt, dass sich die Ratingagenturen noch nicht intensiv mit der Agenda Romneys auseinandergesetzt hätten.

Fakt sei, dass bis zu belastbaren Ergebnissen bezüglich der Wahl in den USA als auch der Griechenlandfrage Unsicherheit dominieren werde und Risikoaktiva grundsätzlich unter leichtem Druck stehen würden.

Auch positive Wirtschaftsdaten hätten am Freitag nicht für dauerhafte Entspannung sorgen können. Die Einkaufsmanagerindices der Eurozone seien in der von den Analysten kritisch begleiteten Fassung von dem britischen Anbieter Markit per Berichtsmonat Oktober besser als erwartet gewesen. Das habe vor allen Dingen für Italien, Frankreich und Deutschland gegolten. Der Index der Eurozone habe unwesentlich von zuvor 45,3 auf 45,4 Punkte zugelegt. Die Prognose habe bei 45,3 Zählern gelegen. Der US-Arbeitsmarktbericht habe per Oktober positive Akzente gesetzt. Es seien im Sektor der "Nonfarm Payrolls" 171.000 neue Stellen geschafft worden. Analysten hätten lediglich mit 125.000 neuen Stellen gerechnet. Mehr noch sei der Vormonatswert von 114.000 auf 148.000 nach oben revidiert worden. Die Arbeitslosenrate habe von 7,8% auf 7,9% zugelegt, da die Anzahl der Arbeitssuchenden noch stärker zugenommen habe.

Was die Beschäftigungslage in den USA außerhalb des Agrarbereichs anbetreffe, sei der Anstieg seit 2010 hinsichtlich der Interventionen als völlig unterproportional zu klassifizieren. Diese unterproportionale Verbesserung sei Ausdruck massiver struktureller Probleme in der Gesamtwirtschaft, die bis heute nicht adressiert worden seien. Es sei prekär, wie wenig sich Märkte mit diesem "Elefanten" im Porzellanladen beschäftigen und gleichzeitig "griechische" Mäuse in diesem "Point of Sale" jagen würden…

Auch die "US-Factory Orders" hätten positiv überzeugen können. Per September sei es zu einem Anstieg um 4,8% (Prognose 4,6%) gekommen. Der Vormonatswert sei von -5,2% auf -5,1% revidiert worden. Dieser Index bewege sich immer noch unter den Spitzen von 2008.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiere. Erst ein nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1,2780 bis 1,2810 neutralisiere das positive Bias des Euro. (05.11.2012/ac/a/m)