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Di, 16. Juli 2019, 16:49 Uhr

Devisenmarkt im Fokus


26.10.12 12:03
Bremer Landesbank

Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnete heute (07:55 Uhr) bei 1,2932 USD, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Höchstkurse im frühen europäischen Handel bei 1,3023 USD markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.

Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 80,07. In der Folge notiere EUR/JPY bei 103,55, während EUR/CHF bei 1,2098 oszilliere.

Die Wirtschaftsdaten seien in den letzten 24 Stunden überwiegend positiv ausgefallen. Die Wirkung sei jedoch weitgehend verpufft, da das Nachrichtenbild bezüglich der Eurozone sich eingetrübt habe. Entscheidend gewesen seien unter anderem Meldungen über Griechenland. Aus "Kreisen" werde lanciert, dass Griechenland sein Ziel, das Haushaltsdefizit bis 2020 auf 120% zu reduzieren, nicht erreichen werde.

Fakt sei, dass das Reformprogramm durch die Wahlen vom Pfad abgekommen sei. Fakt sei aber auch, dass Griechenland die Neuverschuldung von 15,4% per 2009 auf 7,0% per 2012 reduziert habe und damit bezüglich der Neuverschuldung besser aufgestellt sei als die USA, Japan und UK. Mehr noch sei diese Reduzierung erfolgt, obwohl die Wirtschaftsleistung um 20% in diesen drei Jahren eingebrochen sei (ganz im Gegenteil zu USA, Japan, UK). Es handle sich maßgeblich um ein konjunkturelles Problem. Wenn diese Konjunktur einmal stabilisiert sei und wieder Wachstum anstehe, sei dank des veränderten fiskalischen Rahmens mit einer durchaus stärkeren fiskalischen Erholung zu rechnen.

Diesbezüglich würden die Analysten die aktuellen Prognosen per 2020, bei denen in wesentlichen Teilen Extremsituationen frisch und frei extrapoliert würden, für äußerst revisionsanfällig und sachlich unangemessen halten. Das habe man bei der Extrapolation der Staatsschuld der USA um die Jahrtausendwende gleichfalls erlebt - demnach dürfte es heute kaum noch US-Treasuries geben. Die Realität sehe jedoch völlig anders aus - nie sei die Welt mit US-Treasuries gefluteter gewesen. Ja, Standard & Poor's bemühe sich, die Interessen der "Anti-Eurozonen-Spekulation" zu unterstützen. Es sei vollkommen verstörend, dass die markanten Reformerfolge von S&P nicht ansatzweise gewürdigt würden. Das lasse einen sachlich orientierten Analysten fassungslos zurück.

Die Differenz (9,1% des BIPs) im Primärhaushalt zwischen Italien bei +3% des BIPs und den USA bei -6,1% des BIPs korreliere nicht ansatzweise mit der Bewertung der USA bei AA+ und Italien bei BBB+, oder?

Man werfe einen Blick auf den Verlauf der Gesamtverschuldung in % des BIPs seit dem Jahr 2009 - die Eurozone sei das Paradepferd in diesem interdisziplinären Vergleich. Das gelte eben nicht nur für 2012, es gelte nicht nur die strukturellen und gesamten Haushaltssalden, nein es gelte auch für die Verschuldung der privaten Haushalte. Und vor allen Dingen würden die schwachen Länder der Eurozone die aggressivsten Reformen in der Geschichte der Industrienationen unternehmen. Dank dieser Reformen und der veränderten Geschäftsmodelle dürfe die Neuverschuldung der Eurozone tendenziell als investiv definiert werden, ganz im Gegensatz zu
den USA und Japan, wo die Grundtendenz mangels Reformen konsumtiv sei und bleibe!

Das reiche aber noch nicht. Man schaue sich die Entwicklung zwischen Nord- und Südeuropa an. Diese Daten würden etwas aussagen über die Veritabilität der Geschäftsmodelle und sie seien Kernursache des Targetsaldos gewesen, jetzt sei der Targetsaldo maßgeblich nur noch Ausdruck der Kapitalflucht ausgelöst durch eine unangemessene Spekulation. Gut, man könnte einwenden, dass die Gesundung nur über den Rückgang der Importe laufe. Man irre sich. Nun müsse man fragen, warum sich diese Dinge so fulminant ändern würden. Das habe auch etwas mit Lohnstückkosten zu tun.

Die Divergenzen würden sich zu wesentlichen Teilen schließen. Italien schaffe die Anpassung bei Exporten sogar ohne Reduzierung der Lohnstückkosten. Da könnte fraglos noch etwas mehr passieren. Auch der Anstieg in Deutschland wirke sich stabilisierend aus. Wenn man diese 2009 noch völlig unerwartete und weitgehend latent in Medien ignorierte Erfolgsgeschichte sehe, müsse man sich fragen, wie Agenturen, die sich mit diesem Datenmaterial von Berufs wegen intensiv befassen würden, zu den aktuellen Urteilen kämen.

Da müsse man schnell noch einmal prozyklisch Druck auf französische Banken erhöhen. Die Ratingagentur Standard & Poor's habe mehrere französische Banken herabgestuft. Betroffen sei nach Angaben der Agentur vom Donnerstag unter anderem die BNP Paribas (ISIN FR0000131104/ WKN 887771). Für zehn Geldhäuser, darunter Société Générale (ISIN FR0000130809/ WKN 873403) und Crédit Agricole (ISIN FR0000045072/ WKN 982285) sei der Ausblick von "stabil" auf "negativ" gesenkt worden. Die Bonitätswächter hätten den Schritt mit einem stärkeren Risiko durch eine anhaltende Rezession in der Eurozone und einem überhitzten Immobilienmarkt in Frankreich begründet. Wenn Banken bei jeder Rezession abgestuft würden, habe S&P viel zu tun auf dieser Welt, dass sie aber nur partiell tätig würden, werfe viele Fragen auf. Mehr gebe es nicht zu sagen.

Die Wirtschaftsdaten der letzten 24 Stunden seien überwiegend positiv geprägt gewesen. Den ultimativen Akzent habe der deutsche Konsumklimaindex gesetzt. Der deutsche GfK-Konsumklimaindex habe völlig unerwartet per Berichtsmonat November von zuvor 6,1 (revidiert von 5,9) auf 6,3 Punkte zugelegt (Prognose: 5,9). Damit habe der Index das höchste Niveau seit Oktober 2007 markiert.

Die Geldmenge M3 habe in der Eurozone im Jahresvergleich um 2,7% nach zuvor 2,8% zugelegt. die Kreditvergabe an den Privatsektor sei von zuvor -0,6% auf -0,8% gesunken. Die Daten hätten enttäuscht.

Die US-Arbeitslosenerstanträge seien in der aktuellen Berichtswoche von zuvor 392.000 auf 369.000 gesunken. Der Chicgao FED National Activity Index habe per September von zuvor -1,17 (revidiert von -0,87) auf 0,00 Punkte massiv zugelegt. Der US-Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter habe per September einen Anstieg im Monatsvergleich um 9,9% (Prognose 7,1%) nach zuvor -13,1% verzeichnet.

Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiere. Erst ein nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1,2780 bis 1,2810 neutralisiere das positive Bias des Euros. (26.10.2012/ac/a/m)





 
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